ESG-/ECD-Firmenflottille ELBA 2003
Das gemeinsame Segeln von Angehörigen der Firmen ⊳ ESG (ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH) und ⊳ ECD (EUROCOPTER Deutschland GmbH) ist fast schon zur Tradition geworden. Nach zwei Jahren an der Côte D'Azur segelten wir diesmal im Arcipelago Toscana. Wir, das sind ...
SY "SMILES" (SUN ODYSSEY 42.2) mit Skipper Guido Bolenski und Michael Bauske, Bernhard Bitter, Wolfgang Efenberger, Ralf Groß, Ella Mayer, Karl Stocker und Heinrich Südkamp.
SY "DR. JAZZ II" (SUN ODYSSEY 42.2 Eignerversion) mit Skipper Ulrich Bültermann und Stefan Bock, Giselle Bock-Naudy, Stefan Ebeling, Anette Erbslöh und Heinz Schulte.
Samstag, 28.06.2003
Törnberichte beginnen meistens mit dem Tag der Anreise, was in diesem Fall der Samstag wäre. Nicht so bei diesem Elba-Törn. SUN CHARTER rief an und fragte, ob wir bei unserer Fahrt in den Süden nicht ein paar Ersatzteile mitnehmen könnten - es müsse dringend ein Funkgerät und ein Ersatzluk für eine 45er Sun Odyssey zum Stützpunkt nach Elba. Selbstverständlich haben wir diesen Service zugesagt und freuten uns sogar ein wenig, mit so wenig Aufwand, hilfreich sein zu können. Das Luk wurde von SUN CHARTER persönlich vorbeigebracht, das Funkgerät kam per UPS. Einen Tag später und nach einer ereignislosen Nachtfahrt haben wir die Teile beim Stützpunktleiter Jörg Wagner abgeben können.
Wir waren so gefahren, dass wir vormittags in Piombino waren und konnten mit Glück sogar eine frühere als die gebuchte Fähre nehmen. Zwar war das Schiff erst ab 18.00 Uhr zugesagt, aber mit Glück kann man ja früher drauf - anderenfalls hätten wir uns schon mal Elba per Auto-Rundtour angesehen. Da auch das zweite Fahrzeug mit der frühen Fähre kam, waren wir bereits zu sechst am Schiff, das wir glücklicherweise auch recht schnell übernehmen konnten. Während der Übernahme besorgte ein Teil der Crew den Proviant für die bevorstehende Woche im nahegelegenen CONAD-Supermarkt.
Bernhard, der seinen Sportküstenschifferschein vor kurzem abgeschlossen hatte, wollte auf diesem Törn u.a. auch deshalb mitsegeln, um weitere Erfahrungen zu sammeln. So durfte er als "Beobachter" bei der Übernahme teilnehmen, was wir dem Stützpunktleiter Jörg Wagner auch mitteilten. Dieser hat daraufhin eine Übernahme gemacht, die - aus meiner Erfahrung - seinesgleichen sucht. Alles wurde detailliert angesprochen und Handhabungshinweise, aber auch Hilfestellungen zur Fehlersuche in den häufigsten Fehlerfällen wurden gegeben. Neben der im Vorfeld schon sehr guten Betreuung durch die Zentrale in Wolfratshausen sammelte SUN CHARTER nun Pluspunkte beim Stützpunkt.
Mit Einkaufen, Übernahme, Verstauen und "Einleben" auf dem Schiff waren wir am selben Tag kurz nach 16.00 Uhr klar zum Auslaufen. Wir riefen Ella und Heinrich an, die eine späte Fähre gebucht hatten, dass wir schon mal einen Eingewöhnungs- und Badeschlag in die Bucht von Portoferraio machen werden und dass wir rechtzeitig zu deren Ankunft auf Elba wieder zurück im Stützpunkt sind. Gesagt - getan, und eine halbe Stunde später waren wir im Wasser. Welches nach unserem Geschmack übrigens viel zu warm war. Wir hatten eine Erfrischung erwartet.
Als dann gegen 18.30 Uhr die Fähre mit Ella und Heinrich eintraf, war die Crew endlich komplett ... und der Urlaub konnte beginnen. Damit sich auch gleich alle daran gewöhnen, dass Segeln genussvoll ist und nichts mit den Sprüchen zu tun hat, in denen der Vergleich mit Kaltduschern hergestellt wird, die Geldscheine zerreissen. Uns erwartete neben dem erholsamen Vortrieb durch Windkraft und dem Baden in Ankerbuchten auch wieder das eigene Kochen an Bord. Heute abend begann der Reigen mit einer klassischen Vorspeise und dem einzigen Fleischgericht des Törns (wenngleich es nicht das einzig vegetarische Gericht war):
Pomodori, mozzarella e basilico
(Tomaten mit Mozzarella und Basilikum)
Zutaten: 1 kg Tomaten, 300 gr Mozzarella, 4 EL Olivenoel, 2 EL Weinessig, Salz, Pfeffer, 3 Bund Basilikum
Tomaten- und Mozzarellascheiben im Wechsel anrichten, mit Oel, Essig, Salz und Pfeffer wuerzen und zum Schluss mit Basilikumblaetter bestreuen.
Saltimbocca alla romana (Italien)
(Kalbsschnitzel mit Schinken und Salbei)
8 duenn geschnittene Kalbsschnitzel, Pfeffer, 50 gr Parmaschinken, 1 Bund Salbei, 40 gr Butter, 50 ml Marsala (oder Weisswein), Salz
Schnitzel in kleine Stuecke schneiden., mit Pfeffer wuerzen, mit je einer Schinkenscheibe und einem Salbeiblatt belegen und mit Holzspiesschen feststecken. Fleisch von jeder Seite ca. 1 min anbraten. Den Bratensatz mit Marsala abloeschen und etwas einkochen und mit Salz abschmecken. Fleisch mit Sauce servieren.
Die Tagesdaten:
16:30 Uhr Marina Edil Nautica / Portoferraio los;
16:30 Uhr - 18:30 Uhr vor Anker in der Bucht von Portoferraio;
18:30 Uhr Marina Edil Nautica / Portoferraio fest;
Tageswege über Grund: 2 nm unter Motor
Sonntag, 29.06.2003
Der erste Segeltag sollte uns nach ursprünglicher Törnplanung bereits direkt nach Capraia führen, doch die Erfahrungen anderer Skipper lehrten uns, dass diese Route von vielen Seglern so gewählt wird und es deshalb am Sonntag abend in Capraia entsprechend eng wird. Sowohl die Wettervorhersage, als auch die Aussicht auf einen Eingewöhnungsschlag vor den Küsten Elbas ließen uns deshalb von dem direkten Weg nach Capraia Abstand nehmen. Wir segelten statt dessen im Gegenuhrzeigersinn an der Küste entlang und hatten Marciana Marina als Tagesziel identifiziert, nicht jedoch ohne einen obligatorischen Bade-/Ankerstopp einzulegen. Die Auswahl an potentiellen Plätzen für dieses Unterfangen war überwältigend - sowohl der Golfo di Viticio, der Golfo di Bad... als auch der Golfo di Proccio luden ein.
Im letzteren legten wir uns etwas seitlich von der Bucht und ankerten auf relativ tiefen 9 m Wassertiefe. Dies jedoch nur, weil die Bucht schon etwas voll war und wir ohnehin nicht die Absicht hatten, hier über Nacht zu bleiben. Nach erfolgtem Baden, Sonnen, Schnorcheln, Tauchen, Schwimmen und was man sonst noch so an erholsamen Sachen tun kann, legten wir den kurzen Schlag nach Marciana Marina unter Maschine zurück.
Die "Dr. Jazz II" hatte bereits im Scheitel des Hafens neben dem alten Sarazenerturm mit obligatorischem Buganker und Heckleinen festgemacht und erwartete, dass wir längsseits neben ihnen festmachen. Nach kurzer Inspektion des Platzes entschieden wir uns jedoch, dass im Hafen noch nicht mal der Hauch eines Windes zu spüren war und dass es deutlich angenehmer sein dürfte, in der vorgelagerten Bucht von Marciana Marina frei schwojend zu ankern. Gesagt getan und die SMILES wurde noch mal auf den finalen Nachtankerplatz verlegt. Landgänger wurden per Dinghi zur Fährpier gefahren, an Bord Gebliebene hatten ein herrliches Panorama vor Augen oder konnten noch mal Baden gehen, während eine leichte Brise über das Schiff zog und dieses gemeinsam mit den anderen Ankerliegern gleichmäßig in den Wind ausrichtete.
Als die Landgänger zurückkamen, gab es ein türkisches Gericht, das durch seine Kombination von Milde und Schärfe immer wieder große Zustimmung unter der Crew erfährt.
Haydarý (Pikante Käsecreme)
200 gr Schafkäse, 175 gr Joghurt, 1 Bund glatte Petersilie, 1 TL Pul biber (gestoßene Chilischoten), 1 TL Nane (Minze), 2 Knoblauchzehen, 2-4 Peperoni - Alles gut mischen, fertig.
Zum Dessert fuhren nun auch Guido und Ralf an Land und genossen das typisch italienische Eis. Übrigens traf man die Crew der "Dr. Jazz II" bei deren Landgang, als sie gerade verlockend gut aussehende Fischgerichte aßen. Zurück auf dem Schiff wurde die Gitarre ausgepackt und Bernhard spielte Rock'n'Roll, bzw. Guido spielte ein paar Shanties. Die Nacht am Anker war erwartungsgemäß ruhig.
Die Tagesdaten:
09:40 Uhr Portoferraio los;
12:15 Uhr - 16:30 Uhr vor Anker auf 42°47,5'N 010°14,1'E (Golfo di Proccio);
17:00 Uhr vor Anker auf 42°48,5'N 010°11,9'E (Marciana Marina);
Tageswege über Grund: 5 nm unter Segel, 9 nm unter Motor
Montag, 30.06.2003
Das Schöne am Ankern über Nacht ist das Aufstehen am Morgen. Nicht nur, dass die aufgehende Sonne das Schiff und die dahinter liegende Kulisse von Marciana Marina in leuchtendes Rot tüncht und für eine wundervolle Stimmung sorgt. Nein, auch die Möglichkeit, direkt von Bord ins Wasser zu steigen und zum Wachwerden ein paar Züge durchs Meer zu machen, ist immer wieder ein Genuss. Wenn man dann noch bereits einen Kaffee gekocht hat, ist der Start in den Tag perfekt. Nach und nach kam Leben in die Crew, einige holten Frühstücksbrötchen per Dinghi, andere deckten den Tisch für ein morgendliches Mahl vor romatisch mediterraner Kulisse. Und als wir fertig waren, passierte uns die bereits auslaufende Dr. Jazz II. Mit etwas Abstand folgten wir ihr auf Kurs 320°
Der Wind war zunächst zu schwach zum Segeln, legte später aber zu und bescherte uns ein zügiges Vorankommen. Die Distanz ist zudem nicht sehr groß, und wir waren zeitig vor der Küste Capraias. Statt gleich in den Hafen einzulaufen, wollten wir die Gelegenheit nutzen, Boje-über-Bord-Manöver unter Segeln zu fahren. Natürlich zunächst der Skipper selbst, und anschließend Co-Skipper und Crewmitglieder. Dass uns dabei bei Windstärke 3-4 der achterliche Anschlag der Genualeitschiene brach und mit ihm der Stopper für den Genuaholepunkt außenbords ging, verwunderte uns etwas. Das Schiff machte ansonsten einen sehr robusten und gut gewarteten Eindruck, aber diese vergleichbar geringe Belastung hielt das Teil nicht stand. Wir fixierten den Genuaholepunkt mit Tampen, beendeten die Manöver, fuhren nach Capraia und informierten pflichtbewusst erst einmal den Stützpunktleiter über die verlorenen Teile, damit er im Bedarfsfalle für Ersatzteile sorgen kann. Telefonisch wusste er aber zu berichten, dass diese Teil bei ihm im Lager vorrätig seien. Wir hatten ein funktionierendes Provisorium und konnten unseren Törn unbesorgt fortführen.
Wir erreichten unser Tagesziel Capraia so zeitig, dass ein Teil der Crew noch ausreichend Zeit für einen ausgiebigen Landgang zum Fort hatte. Zum Hafen sei jedoch erwähnt, dass die günstigen Zeiten vorbei sind. Man hat Schwimmstege mit Moorings gelegt und bietet Strom, Wasser und Sanitäranlagen. Allerdings zahlt man für den Liegeplatz horrende 41 EUR und muss Strom, Wasser und die Benutzung der Sanitäranlagen/Duschen noch extra zahlen. Wenn man alles in Anspruch nimmt, kommt man locker auf 60 EUR, was den derzeitigen Verhältnissen auf den Balearen gleichkommt. Wir wurden die Vermutung nicht los, dass man lieber etwas weniger Touristen haben will und es auf diese Weise zu steuern versucht. Die Tatsache, dass man vor 17.00 Uhr grundsätzlich keinen Strom bekommt und die Verteiler am Steg abgeschaltet sind, bestätigt uns nur.
Zum Abendessen wurde die Ribollita gekocht, ein deftiger toskanischer Eintopf. Allerdings hatten so manche Zutaten es vorgezogen, sich in bereits zubereiteten Speisen einzufinden oder waren erst gar nicht gekauft worden. So musste etwas improvisiert werden, aber der Eintopf war dennoch lecker. Der größte Topf der Kombüse war beim Auftischen randvoll und wurden von den hungrigen Mäulern komplett geleert.
Ribollita
(Toskanische Gemuesesuppe)
300 gr weisse Bohnen, 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 1 Lorbeerblatt, 200 gr Schinken, 175 ml Olivenoel, 1 Bund Thymian, 300 gr Wirsingkohl (1/2 Kohl), 500 gr Tomaten, 250 gr Kartoffeln, 250 gr Moehren, 1 Stange Porree, 1 kleiner Rosmarinzweig, Salz, Pfeffer, 200 gr Fladenbrot
Bohnen ueber Nacht einweichen. Gewuerfelte Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, Lorbeer und Schinken zu den Bohnen geben und auf milder Hitze ca. 1 h kochen lassen. In einem zweiten Topf die andere Knoblauchzehe mit dem Thyian in 125 ml Oel ziehen lassen, anschliessend Knoblauch und Thymian rausnehmen - Thymianoel beiseite stellen. Wirsing, Kartoffeln, Moehren und Tomaten in Stuecke, Porree in Scheiben schneiden. 3 EL Thymianoel im Topf erhitzen, das Gemuese (bis auf die Tomaten) unter Wenden anduensten, Bohnen samt Kochwasser, Tomaten und Rosmarinzweig zugeben. Ca 3/4 h kochen, anschliessend mit Salz, Pfeffer und Thymianoel wuerzen. Rosmarinzweig entfernen und servieren.
Nachdem das Nachtleben auf Capraia aus einer Eisdiele mit einer danebenliegenden Spielautomatenbude besteht - in der übrigens eine Wurlitzer den ganzen Hafen beschallte - holten wir wieder einmal die Gitarre raus und kämpften tapfer gegen die Schlager aus der Konserve an.
Die Tagesdaten:
09:00 Uhr Anker auf;
14:00 Uhr Porto Capraia fest;
Tageswege über Grund: 13 nm unter Segel, 12 nm unter Motor
Dienstag, 01.07.2003
Kurs Frankreich. Ein letzter Blick auf die Wetterkarte und die Absprache, unterwegs gegen 10.00 Uhr nochmal beim Stützpunktleiter anzurufen. Auf telefonische Anfrage hatte Jörg Wagner für uns jederzeit den aktuellen Wetterbericht parat. Auch wenn wir diesen Service nur einmal in Anspruch genommen hatten, ist es ein gutes Gefühl, wenn man noch eine Quelle mehr anzapfen kann. Die Vorhersage sagte Starkwind in den Nachmittagsstunden voraus, allerdings mit heftigen Ausmaßen, so er denn auf West drehen würde. Unsere Quelle am Hafenmeister in Capraia sagte diese Westdrehung zwar nicht voraus, aber wir wollten vorsichtig sein und liefen deshalb gleich nach Capraia und überließen es der Dr. Jazz II, den morgendlichen Anker-Badestopp alleine zu genießen. Bei mäßigen Winden machten wir Strecke gen Westen.
Wie vorhergesagt, nahm der Wind zu, wenn er auch nicht komplett auf West drehte. Wir hatten in guter Fahrt die korsische Küste erreicht und begannen, die verbleibende Zeit des Tages noch zu nutzen. Zunächst wurde ausgiebig manövert - Ralf sollte noch Bojenmanöver fahren, da diese ja dem verlorenen Genuaholepunkt zum Opfer fielen. Anschließend durften unsere SKS-Anwärter bei mittlerweile frischem Wind Kurse zum Wind fahren und Segelmanöver üben. Abfallen, Anluven, Halbwindkurs, Wende und auch die Halse waren selbst bei frischen Winden kein Problem, wenn man die Crew gut und rechtzeitig über das Manöver informiert, die Funktionen einweist und stets ein erfahrener Segler den Rudergänger unterstützt.
Als Belohnung für diese Anstrengungen wollten wir in der Bucht neben Macinaggio auf Korsika zum Baden ankern, doch der Wind hatte mittlerweile noch etwas zugelegt, dass er in Böen die 5 Bft deutlich überschritt. So war es besser, gleich einen Liegeplatz in der Marina anzusteuern und wir legten beim ersten Versuch ohne Probleme römisch-katholisch an der Mooring an, obwohl der Wind quer zum Liegeplatz einfiel. Kaum dass wir fest waren, zog eine Fallböe durch die Marina, die wir auf 7 Bft schätzten und die uns zugegebenermaßen auch hätte Probleme bereiten können. Die Mooringleine zur Mooringkette machte uns zudem keinen sehr guten Eindruck und wir legten eine eigene Festmacherleine durch die Kette, um die Mooring zu entlasten. Was sich dann bot, war Hafenkino der Kategorie "Action" - nach und nach kamen die Segler nach Macinaggio und versuchten, möglichst unbeschadet in einen Liegeplatz zu kommen, was manchen mangels besserer Umstände, aber auch mangels eigener Fähigkeiten sichtlich schwer fiel.
Der Skipper einer 40-Fuß-Segelyacht wurde vom Hafenmeister in den freien Platz neben uns gelotst - und nach drei gescheiterten Versuchen des Rückwärtseinparkens versuchte man es mit dem Bug voran. Durch die tatkräftige Unterstützung von Land und von unserem Boot (hauptsächlich gutes Abfendern) war unser italienischer Nachbar fest. Er dankte uns mit einer Flasche Prosecco und einer guten Portion Parmesan, den er in kleine Stücke gebrochen auf einem Brett anbot. Schnell war noch etwas Brot nach oben gereicht und man hatte den passenden Proviant für die nächsten Szenen des Hafenkinos. Als dann der Prosecco geleert wurde, spendierte unser Freund noch eine Flasche "Colli di Parma", ein Sekt aus der Region Parma, der seinesgleichen sucht. Wir werden versuchen, ihn in Deutschland aufzutreiben. Wer es selber versuchen will, hier ist der Kontakt zum Hersteller:
Getränketipp: "Colli di Parma"
MALVASIA CONVENTINO
Azienda Agricola
VIGNETI CALZETTI
Via San Vitale, 47
43030 San Vitale Baganza (PR)
Tel. e Fax +33 (0)521.830117
E-mail: info@vigneticalzetti.it
Web: www.vigneticalzetti.it
Wer wollte, ging nochmal an den Strand zum Baden, trank ein Bier in den Bars der Kneipenpromenade oder blieb an Bord. Zum Abendessen gab es "Spaghetti da Carlo", will sagen ... Karl hat sich heute in die Kombüse gestellt. Das Rezept ist geheim, aber es waren Spaghetti mit einer schmackhaften Kompsition von Gemüse. Soviel wurde herausgefunden ... es waren Tomaten, Paprika und Zucchini drin.
Die Tagesdaten:
09:20 Uhr Porto Capraia los;
15:00 Uhr Port Macinaggio (Korsika) fest;
Tageswege über Grund: 22 nm unter Segel, 5 nm unter Motor
Mittwoch, 02.07.2003
Bastia sollte unser heutiges Ziel des Tages sein, wenn es denn heute der Wind zulässt, denn noch immer wehten frische Winde, die in Böen über Starkwind waren, durch den Hafen. Allerdings war nicht genau erkennbar, welchen Einfluss das Hinterland auf die Winde im Hafen hatte. Beim Blick auf die See war erkennbar, dass sie deutlich ruhiger war als gestern und - nach Studium des französischen Wetterberichtes - machten wir uns dran, abzulegen. Auch heuter wieder nach dem Motto, dass ein frühes Ablegen verhindert, dass man abends in Zeitnot geraten würde.
Bei 5 Bft legten wir von Beginn an zwei Reffs ins Groß und in die Genua uns segelten mit halbem Wind die Küste Korsikas entlang. Heute war der Tag für Ralf, der das Ruder sicher in Händen hielt, während sich Guido um Funk und Navigation unter Deck kümmerte. Leider war der Einfluss Korsikas auf unsere Windverhältnisse stärker, als uns es lieb war. Zwischenzeitlich fielen immer wieder starke Böen ein, die ein gleichmäßiges (und somit ruhiges) Segeln verhinderte. Die Landabdeckung war in diesem Fall kein Schutz, sondern eher hinderlich, weil man so noch stärker in den Einfluss dieser Fallböen kommt. Noch weiter raus wollten wir aber auch nicht und so hielten wir unseren Kurs bei. Später entschieden wir uns, die Segel niederzuholen und die restlichen Meilen nach Bastia unter Maschine zu laufen. Per Funk erfuhren wir, dass die Dr. Jazz II heute nicht auslaufen wird. Neuer Treffpunkt und Wiedervereinigung der Flottille sollte als tagsdrauf auf Elba sein - wo genau, würde sich schon finden.
In der Nähe von Bastia angekommen, sahen wir eine riesige Rauchwolke, die vom Hinterland ausging und sich in gelbem, beißendem Qualm über die Altstadt, den alten Hafen und die See davor ausbreitete. Unser Ziel, im Vieux Port von Bastia zu nächtigen, haben wir aufgegeben, als wir zu Erkundungszwecken in die Nähe dieser Wolke fuhren. Die Augen tränten, das Atmen wurde schwer und der Rudergänger legte sofort wieder Kurs Nord. Nördlich vom Vieux Port schließt sich der große Fährhafen an und weiter nördlich ist "Port Toga", eine neue und moderne Marina mit allem Komfort. Hier war der Waldbrandeinfluss fast nicht mehr zu spüren.
Natürlich war heute an Baden nicht zu denken, aber Bastia hat auch andere Qualitäten. Eine besondere davon war, dass vis-à-vis ein Géant-Supermarkt lag. Unsere Vorräte, flüssiger wie fester Art, waren deutlich geschrumpft. Dass wir diese Gelegenheit zu erneuten Kochorgie nutzten, war ja wohl klar. Als Vorspeise gab es die Gambas in Knoblauchöl, nur dass die Gambas hier Crevettes hießen. Als Hauptgang hatten wir eigentlich Thunfisch im Sinn, aber es gab nicht genug davon und außerdem wollten wir schon immer mal Schwertfisch zubereiten. Das Dessert bestand aus einer üppigen Käseplatte mit Früchten und Baguette.
Crevettes a l'ail
Crevetten/Gambas in Knoblauchöl
Zutaten: 12 Crevetten, 6 Knoblauchzehen, 1 Chillischote, Olivenöl, Petersilie
Zubereitung: Schale am Rücken der Gambas längs aufschneiden und den Darm herauslösen (!), waschen, trockentupfen. Chilli und Knoblauch fein würfeln. Gambas im Öl zusammen mit dem Knoblauch und dem Chilli dünsten, bis sich der austretende Saft mit dem Olivenöl verbindet. Mit grob gehackter Petersilie bestreuen und mit Baguette servieren.
Schwertfisch mit Lorbeer
2 EL Zitronensaft, Salz, Pfeffer, 4 EL Olivenoel, 4 Schwertfischfilets (wahlweise auch mit Thunfischkoteletts machbar), 20 Lorbeerblaetter, 2 EL Oel, 20 gr Butter, 2 Zitronen, Marsala
Zitronensaft mit Salz, Pfeffer und Olivenoel verruehren und die Fischstücke damit einpinseln. Lorbeerblaetter einreissen, die Fischstücke damit belegen, diese schichten und in Klarsichtfolie 2-4 Stunden marinieren. Fischstücke in Oel und Butter von jeder Seite 5-6 min braten, anschliessend salzen. Den Bratensatz mit der Marinade aus der Folie loesen und ueber den Fisch traeufeln. Ggf. mit Marsala ablöschen.
Anschließend machten wir uns geschlossen auf den Spaziergang in die Altstadt. Die gelbe Wolke hatte im Ausmaß etwas nachgelassen und der Wille, wenigstens einmal die Altstadt und den Hafen von Bastia gesehen haben zu wollen, tat ein übriges. Wäre es jedoch nicht so spät und entsprechend dunkel gewesen und wäre da nicht der immer noch unangenehme Brandgeruch, wäre Bastia sicher ein schöner Fleck. So jedenfalls konzentrierten wir uns in der Hafenkneipe auf unser korsisches Bier, und zogen danach wieder zurück an Bord.
Die Tagesdaten:
10:15 Uhr Macinaggio los;
14:20 Uhr Port Toga / Bastia fest;
Tageswege über Grund: 10 nm unter Segel, 10 nm unter Motor
Donnerstag, 03.07.2003
Nach einem gemütlichen Frühstück an Oberdeck legten wir ab mit Kurs Elba. Den Wetterbericht vom Hafenmeister in Port Toga in der Tasche versuchten wir unterwegs, Kontakt zur Dr. Jazz II aufzunehmen. Die Fahrt war nicht besonders berauschend und uns wurde zunehmend klar, dass wir die Südseite der Insel wohl nicht mehr erkunden können. In der Marina di Campo sollten wir auf Anraten des Vercharterers nicht festmachen, weil Kreuzsehen die Boote schaukeln lassen und so die Masten gegeneinander schlagen. Zudem liegen in Marina di Campo Ketten quer im Hafen, in denen man seinen Anker perfekt "fest" machen kann - aber so richtig fest. Frei schwojend konnte man guten Gewissens aber weder in Marina di Campo, noch in einer anderen Bucht der Südseite vor Anker liegen (außer vielleicht für einen Badestopp), denn es waren Südwest- bis Südostwinde vorhergesagt. Der nächste Hafen, wenn es denn die Südroute hätte sein sollen, wäre Porto Azurro gewesen und das war uns dann doch zu weit. So steckten wir erneut Kurs auf Marciana Marina ab und konnten die unterwegs kontaktierte "Dr. Jazz II" auf unsere Route einstimmen.
Da heute Seemannssonntag war, gab es unterwegs Pfannkuchen wahlweise mit Marmelade, Honig oder Schokoladencreme. Genauer gesagt auf Position 42°44,3'N 009°41,9'E waren die ersten Exemplare fertig. Der Seegang war mäßig genug, sodass man unter Deck kochen konnte. Ansonsten ist die Sun Odyssey nicht als seegängig zu bezeichnen. Bei starkem Wind fehlt unter Deck die Möglichkeit, sich festzuhalten oder zu verzurren. Aber das erwartet man ja auch nicht wirklich im Mittelmeer.
Kurz nacheinander und fast in Rufweite legten wir unsere Anker auf 3.5 m tiefen, seegrasbewachsenen Grund. Die Kulisse von Marciana Marina lag uns erneut zu Füßen. Zum Abendessen gab es "Spaghetti con Pesto da Radolfo" - besser gesagt ... von Ralf ... auf der Basis eines Familienrezeptes. Wir haben nur herausgefunden, dass Pesto in der Sauce ist, aber dass diese noch kräftig verfeinert werden kann. Ein letztes Mal wurde die Gitarre unser abendfüllendes Programm, zum Leidwesen der Dr. Jazz II, denn manch von uns vorgetragener Shanty war wohl nicht konzerttauglich vorgetragen. Wir hatten das bei der guten Stimmung an Bord gar nicht bemerkt.
Die Tagesdaten:
10:35 Uhr Bastia los;
18:00 Uhr vor Anker auf 42°48,5'N 010°11,9'E (Marciana Marina);
Tageswege über Grund: 20 nm unter Segel, 21 nm unter Motor
Freitag, 04.07.2003
Der letzte Segeltag lag vor uns. Da wir von Marciana Marina nach Portoferraio nur noch ca. 15 sm vor uns hatten, bot sich erneut die Gelegenheit, Manöver zu üben und das sogar bei ordentlichen Winden. Darüberhinaus wollten wir nicht auf den letzten Drücker beim Stützpunkt eintreffen, sondern gegebenenfalls noch eine Erkundung der Insel mit dem Auto machen. So tankten wir noch in Portoferraio, fuhren zurück zum Stützpunkt und konnten dort auch recht schnell das Boot wieder zurückgeben. Die Crew hatte sich den Landgang verdient und unternahm ihn in den Gruppen, die auch die Fahrgemeinschaften der Hin-/Rückreise bildeten. Den Blick von Marciana Alta herunter auf Marciana Marina hatten aber alle, denn die Fahrt über den westlichen Teil der Insel hat sich keiner entgehen lassen.
Der Proviant war verbraucht, die Bordkasse abgerechnet ... was blieb, war der Landgang in die Stadt Portoferraio auf der Suche nach einer Pizzeria. Schließlich waren wir in Italien. Schnell wurde uns klar, dass wir wohl besser die Autos genommen hätten, denn der Weg zum nächsten Restaurant schien lang zu werden. Andererseits wollte auch keiner fahren, um nicht dem Vino Rosso entsagen zu müssen. So zogen wir weiter, aber eine Pizzeria fand sich nicht. Selbstverständlich verläuft sich eine 8köpfige Gruppe.
Ristorante Frescantico
"I Sapori della Tradizione"
Via Carducci, 132 - Portoferraio - Tel.: +33 (0)565 918989
Bruschette, Tagliatelle con gamberetti, Panna cotta
Die Tagesdaten:
09:50 Uhr Anker auf;
11:30 Uhr - 11:40 Uhr Molo di Gallo / Portoferraio;
14:30 Uhr Marina Edil Nautica / Portoferraio fest
Tageswege über Grund: 22 nm unter Segel, 3 nm unter Motor
FAZIT
Die Törndaten:
92 nm unter Segel
60 nm unter Motor
Gesamt: 152 nm