Mallorca 2005
Die Balearen im Juni
Samstag, 18.06.2005 - PALMA DE MALLORCA
Ein Segeltörn auf den Balearen war schon lange in der Diskussion, auch wenn in den Jahren zuvor andere Reviere oftmals den Vorzug erhielten - aus unterschiedlichen Gründen. Der große Vorteil von Palma ist die schnelle und komfortable Anreise per Flugzeeug und gleichzeitig kurzer Weiterreise per Taxi. Die Reise begann für einige von uns allerdings schon am Freitagabend am Vorabend-Check-In von CONDOR. Alle von München anreisenden Mitsegler hatten sich diesen Flug ausgesucht und nutzten die Möglichkeit, das Gepäck schon am Vorabend loszuwerden. Welch ein Glück, dass im MAC des Flughafen grad ein "Mittelalterlicher Markt" stattfand. So konnte man bis zu fünf Stunden kostenlos parken. Kurioserweise änderte sich am Morgen danach der Flugzeugtyp, sodass die Vergabe der Sitzplätze hinfällig war. An dem Gedrängel nach Fensterplätzen beteiligten wir uns nicht. Der Flug war nur eine Stunde verspätet, recht kurzweilig, und auch die Weiterreise zum SUN CHARTER Stützpunkt verlief schnell und problemlos - sogar bis zum Kopf des Real Club Nautico, wo die Zelte von SUN CHARTER, der kleine Proviantmarkt und einer kleinen Bar sind. Mitsegler Stefan war auch schon da. Die Crew war komplett: Skipper Guido Bolenski, Axel Ginkel, Johannes Hettenkofer, Stefan Rinno und Christian Sobotta.
Der kleine "Supermarkt" direkt am Kopf des Real Club Nautico versorgte uns mit den Lebensmitteln, sodass uns langwierige Einkaufstouren erspart blieben. Praktisch, dass uns SUN CHARTER vorab eine Liste der zur Verfügung stehenden Lebensmittel sandte, das machte den Einkauf nochmal etwas unkomplizierter, denn die Liste war natürlich per Fax vorab geschickt worden. Schön auch, dass es reichtlich spanische Artikel zu kaufen gab. Nicht nur Miguel-Bier. Die Sobrassada ist eine weiche, gepfefferte Schweinsmettwurst, die den Mallorquinern sogar mit Honig bestrichen schmeckt. Wir genossen diese Spezialität zum Frühstück und zum Abendimbiss auf frischem Brot. Der Hierbas ist ein grünlich-gelber Kräuterlikör. Die bekannteste Destille auf Mallorca ist die Firma TUNEL. Es gibt ihn in drei Abstufungen von süß bis herb. Ähnlich wie bei der Paella gibt es auch enorme Unterschiede bei der Sangria. Diese haben wir nicht fertig gekauft, sondern nur die Bauteile für eine selbstgemachte. Zuerst einen 5l-Kanister Wasser, der als erstes leergetrunken werden musste. Die Sangria ist genausowenig wie die Paella "mallorquin", sondern in ganz Spanien beliebt. Das Rezept ist weiter unten angegeben; es ist nicht "das einzig richtige Sangriarezept". Aber unsere Erfahrung hat gezeigt, dass diese Mischung ausgezeichnet schmeckt und durch den hohen Fruchtsaftanteil einen recht geringen Alkoholgehalt haben dürfte. Nur das Aussehen könnte besser sein.
Wie schon bei unserem Törn in der Toskana (Elba) machten wir auch bei SUN CHARTER auf Mallorca sehr gute Erfahrungen mit dem Ein-Check, dem Schiff, dem Zubehör an Bord, den Törnunterlagen/Papieren, dem Service und dem späteren Aus-Check. Hervorzuheben sei das SUN CHARTER Bordbuch, in dem alle wichtigen Dinge des Schiffes in Funktion un Handhabung bildlich und textlich beschrieben sind.
Kathedrale von Palma
Wir hatten unser Schiff, eine SUN ODYSSEY 40 namens "RED PEPPER", nun doch noch so zeitig übernehmen können, dass es für einen Übungsschlag in der Bucht von Palma reichte. Dies war auch schon deshalb sinnvoll, da die beiden segelerfahrenen Mitsegler Axel und Christian genauso wie ich als Skipper ein Eingewöhnen an das Schiff sehr begrüßten. Das obligatorische Boje-über-Bord-Manöver inklusive. Wir fühlten uns recht wohl auf dem Schiff, auch wenn der Anleger mit Wind quer zur Box noch unsere Grenzen als Team aufzeigte. Doch spätestens tags drauf war die Crew eingespielt und auch die Segelanfänger wussten, wann welcher Handgriff zu tun war, bzw. sie hatten sich mit dem Kommandoton während der Manöver angefreundet.
Rathaus
Nach dem "anstrengenden Segeltag" war Landgang in Palma angesagt. Natürlich gleich in voller Flottillenformation, denn die Crew des zweiten Schiffes bestehend aus Skipper Ulrich Bültermann, Giselle Bock-Naudy, Stefan Bock, Thomas Mattstedt und Heinz Schulte war auch schon komplett auf ihrem Schiff "DAY BY DAY" eingezogen.
Ehemalige Handelsbörse
Der Weg durch die Altstadt führte uns an der Tapas-Bar FORN vorbei und die Verlockung war so groß, dass wir nicht widerstehen konnten. Typisch für Spanien (nicht nur für Mallorca) sind die Tapas, auf Deutsch "Teile". Darunter fallen delikate Appetithappen in vielerlei Form und Zubereitung. Ist man alleine unterwegs, bestellt man "Tapas variadas" und man bekommt 5-6 verschiedene "Teile". Ist man als Gruppe (Segelcrew) unterwegs, kann man gleich in größeren Mengen bestellen. Unser Crewmitglied mit den Spanischkenntnissen Johannes bestellte eine bunte Mischung an Tapas und der erste Kontakt mit der spanischen Küche war hergestellt.
FORN de sant joan
Restaurant & Drinks, Tapas
Adresse:
Sant Joan, 4
07012 Palma de Mallorca
Tel. 971 728 422
Móvil 607 275 312
⊳ www.forndesantjoan.net
Manchen reichte dies als Abendessen, andere hatten aber mengenmäßig mehr erwartet und so führte uns unser weg beim weiteren schlendern durch die Altstadt auch zum Placa Mayor, wo wir uns in einer Pizzeria niederließen. Auf dem Heimweg trennten sich die Wege der Flottillenmitglieder in jene, die sich der Müdigkeit des Tages ergeben wollten und jene, die unbedingt das bekannte ABACO kennenlernen mussten, ein altes Herrenhaus im Zentrum der Altstadt mit einer Art Heimatmuseum im Obergeschoss und einer Cocktailbar im Erdgeschoss. Aber nicht nur die Räumlichkeiten sind bemerkenswert, auch das Interieur - denn allenortens liegen opulente Obstarrangements als Dekoration begleitet von teils riesigen Blumenbouketts. Selbst wenn man den Drink scheut, sollte man den Abstecher ins Abaco machen.
Die Tagesdaten:
16:10 Palma de Mallorca los;
17:20 Palma de Mallorca fest;
Wind S-SW 3, See 2
Tageswege über Grund: 6 sm unter Segel, 3 sm unter Motor
Sonntag, 19.06.2005 - Von Palma de Mallorca nach Port d'Andratx
Wir hatten einen wunderbaren Segelwind und konnten gut Strecke machen auf dem Weg nach Andraitx, unsersem Tagesziel für heute. Da wir bereits tags zuvor unsere Mann-über-Bord-Manöver gefahren hatte, fiel auch dies für heute aus. Der einzige Nachteil (oder Vorteil) war, dass der Wind aus der Richtung kam, in die wir wollten. So konnten wir gleich die Am-Wind-Eigenschaften der Sun Odyssey 40 testen. Wir waren wirklich beeindruckt. Interessanterweise hielten wir uns auch recht gut im direkten Vergleich mit der "DAY BY DAY". Unser durchgelattetes Groß reichte wohl aus, die höhere Segelkompetenz auf dem Konkurrenzschiff zu kompensieren. Wir verständigten uns per UKW, dass wir für einen Ankerstopp pausieren sollten und so legten wir Kurs Cala Portals an. Diese Bucht hatte ich schon bei meinem ersten Törn 10 Jahre zuvor besucht. Sie ist sehr schön, wenngleich nicht unbedingt geschützt genug, um dort über Nacht vor Anker zu liegen. Außerdem ist sie zu nah an Palma, als dass diese Bucht beschaulich werden könnte, denn sie ist hoffnungslos überfüllt mit Booten und Schiffen aller Größe und Form.
Endlich war auch der 5l-Wasserkanister leergetrunken. Die Sonne half ganz gut - es war deutlich wärmer als erwartet. Wenn es die ganze Woche so bleibt, können wir uns nicht beschweren. Jedenfalls ist ein leerer 5l-Kanister Voraussetzung für einen gelungenen Spanien-Törn: In ihm wird die Bord-Sangria zubereitet.
Sangria
Sangria - wie sie mittlerweile an Bord zubereitet wird.
Zutaten
1 Flasche trockener Rotwein
1-2 Liter Orangensaft
2 Finger breit Osborne (Brandy)
je eine Orange und Zitrone mit Schale
ein frischer Pfirsich
Zubereitung
Orange, Zitrone und Pfirsich in Stücke zerschneiden. Die Fruchtstücke, Cognac,
Orangensaft und Rotwein in einen großen Kanister geben. Gut umrühren. Natürlich
kann man das Umrühren auch durch ein paar Schläge auf der Kreuz bewerkstelligen. Und die
Kühlung ist auch wichtig, deshalb mindestens 2 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.
DAs Verhältnis von Rotwein/Brandy zu Orangensaft kann individuell der Crew angepasst werden.
Wer's kräftig mag, nimmt lieber nur einen halben Liter O-Saft. Dann besteht aber akute
Kopfschmerzgefahr am Folgetag, denn die Sangria ist wirklich süffig und gut. Dann lieber
die sanfte Variante mit 2 l O-Saft - sie schmeckt ebenfalls sehr gut, macht aber keinen
"dicken Kopf".
Auf dem weiteren Weg nach Andraitx machte sich der Hunger breit. Und da ich sowohl die Einfahrt nach Port d'Andraitx, wie auch Port d'Andratx selbst kannte, bereitet ich das Abendessen schon an Bord zu: Sopas Mallorquinas
Sopas Mallorquinas
Zutaten: 5 EL Olivenöl, 1 Knoblauchknolle, 1 Lauchstängel, 1 Tomate, 1 Paprikaschote,
1 Zwiebel, 1 Kopf Weißkohl oder Wirsingkraut, ½ Blumenkohl, 125 g grüne Bohnen,
125 g Erbsen, etwas Mangold oder Spinat (je nach Saison), Salz, Paprikapulver, Pfeffer,
Weißbrot, 1 l Brühe
Zubereitung: Paprika, Lauch, Zwiebel, Tomate und Knoblauch klein schneiden und anbraten.
Kohl und Bohnen hinzufügen und mit Brühe ablöschen. Mit Salz, Pfeffer, Paprika und
Petersilie würzen und 15 min köcheln lassen. Blumenkohl und Erbsen hinzufügen und
weitere 10 min köcheln. Mit Salz und Öl abschmecken.
Rechtzeitig vor Einfahrt in den "Fjord" nach Port d'Andratx war die Gemüsesuppe fertig. Die Segel wurden eingeholt (es war ohnehin kaum noch Wind) und der Tisch gedeckt. Bei langsamer Fahrstufe wurde das Panorama genossen, während man sich stärkte. Kurz vor Erreichen der Marina in Port d'Andratx waren alle Teller leer und der Tisch geräumt. Klar zum Anleger.
Port d'Andratx
Unser Liegeplatz in der Marina Port d'Andratx hat freie Sicht auf die Kulisse der Stadt, denn die Marina liegt auf der anderen Seite der Bucht. Während die Crew sich auf den Landgang zur Entdeckung dieses von Deutschen dominierten Nestes macht, blieb ich an Bord, genoss die Kulisse, den Rotwein, den Sonnenuntergang und den Sternenhimmel.
Die Tagesdaten:
10:15 Palma de Mallorca los;
13:00-14:30 vor Anker Cala Portals Vells;
18:25 Port d'Andratx fest;
Wind SW 1-2, See 1
Tageswege über Grund: 22 sm unter Segel, 5 sm unter Motor
Montag, 20.06.2005 - Von Port d'Andratx nach Port de Sóller
Der Wind war auch heute wieder recht schwach angekündigt, aber er sollte diesmal hauptsächlich aus dem achterlichen Bereich kommen. Grund genug, endlich mal den Blister auszuprobieren. Vorher jedoch genießen wir noch die Passage zwischen Mallorca und der Insel Dragonera mit der Bucht von Sant Elm auf der rechten Seite. Vielleicht sollte man sich doch 2 Wochen nehmen, um die Insel zu runden - denn in einer Woche muss man einfach zu viele Kompromisse schließen und schöne Buchten links (in diesem Fall rechts) liegen lassen. Trotz wenig Wind füllte sich der Blister recht gut und brachte die Sun Odyssey gut in Fahrt. Die Sierra de Tramuntana zur rechten, die offene See zur linken und Sonne und Wind von achtern ... da kommt man ins Träumen.
Die Sierra de Tramuntana entlang.
Schneller als erwartet waren wir in der Nähe der Bucht von Sóller. Da wir vorher noch einen Badestopp einlegen wollten, taten wir dies in der Cala Deià. Die "DAY BY DAY" war schon vor Anker gegangen. Da kein nennenswerter Seegang zu verzeichnen war, machten wir längsseits an der "DAY BY DAY" fest und genossen zusammen die Sonne, das Meer und ein paar Drinks. Erste Meldungen von Quallen machten die Runde, bestätigt von Hautrötungen nach Feindberührung. Vorsicht war also geboten, wenn man ins Wasser ging.
Der kurze Schlag nach Port Sóller war schnell geschafft. Die Bucht ist die einzige nennenswerte Möglichkeit einer Übernachtung im Nordwesten der Insel und auch wegen der Atmosphäre ein beliebter Stopp. Eine Marina sucht man hier allerdings vergeblich; man ankert frei schwojend in der Bucht.
Die RED PEPPER in der Bucht von Sóller
Dabei ließ sich übrigens sehr schön der See- und Landwind-Effekt zeigen, der uns bei der allgemeinen Flautensituation das Segeln erst ermöglicht. Denn normalerweise haben wir in dieser Woche kaum Wind aus dem überregionalen Wettersystem zu erwarten. Einzig der See- und Landwind-Effekt bringt uns vorwärts. Dies liegt daran, dass sich Luft über der Landmasse (Mallorca) in der Sonneneinstrahlung stark erhitzt und dadurch aufsteigt. Vom vergleichsweise kalten Wasser strömt Luft in Richtung der Insel nach. So entsteht am Tage der Seewind. In der Nacht kehrt sich der Effekt um. Die Insel kühlt stärker ab als die umgebenden Wassermassen, der Landwind setzt ein. Allerdings ist der Landwind deutlich geringer als der am Tage spürbare Seewind. Hier in der Bucht von Sóller merken wir am Vorabend noch den Rest des Seewindes. Alle Boote liegen vor Anker mit dem Bug in Richtung See und Heck in Richtung Stadtpromenade. Im Laufe des späten Abends, als wir bei Wein und Hierbas bayerische Rockmusik hören (welch eine Kombination), drehen sich gemächlich, aber deutlich, alle Schiffe um 180° und bleiben in dieser Lage bis zum Morgengrauen. Der Landwind hat die Schiffe gedreht. Vorher hatten wir uns aber wieder um die spanische Küche bemüht und zum Abendessen Pan Tostados als Vorspeise und Escudella als Hauptspeise zubereitet:
Pan tostado
Escudella - Gemüseeintopf mit Schweinefleisch
(hier leicht abgewandelt)
Zutaten
2 Esslöffel Olivenöl
1 große Zwiebel
1 Tomate
1 Bund Petersilie, gehackt
3 Knoblauchzehen
2 Lorbeerblätter
1 Prise Thymian
etwas scharfer Paprika
500 g Schweinefleisch
500 g gewürfelte Kartoffeln
300 g gelbe Rüben, in Scheiben geschnitten
1 grüne Bohnen, frisch
1 Dose Erbsen
Brühe nach Bedarf, Salz, Pfeffer
Zubereitung
Das in Stücke geschnittene Fleisch, die Speckscheibe, die klein geschnittene Zwiebel
und zerkleinerte Tomate in Öl in einem großen Topf leicht
anbraten. Danach die Kartoffeln, die Rüben und die grünen Bohnen zugeben und alles
mit Brühe auffüllen. Ca. 45 Minuten
bei kleiner Flamme garen. Danach die Erbsen und Bohnen dazugeben und nochmals
5 Minuten aufkochen lassen, mit Petersilie bestreuen.
Nach dem Essen gab es einen der schönsten Sonnenuntergänge des Törns. Vor Anker erlebt man dies ohnehin intensiver als in einer Marina. Aber hier, mit den vielen anderen Ankerliegern und der schönen Kulisse von Sóller, wirkt er besonders.
Sonnenuntergang vor Anker
Die Tagesdaten:
10:00 Port d'Andratx los;
16:30-17:45 vor Anker Cala Deià;
19:30 vor Anker Port de Sóller;
Wind SW 1-2, See 1
Tageswege über Grund: 16 sm unter Segel, 15 sm unter Motor
Dienstag, 21.06.2005 - Von Port de Sóller nach Port d'Alcúdia
Am nächsten Morgen klingelten um 07:00 Uhr die Wecker. Nicht (nur), weil wir einen langen Schlag vor uns hatten, sondern weil wir einen Ankerstopp am Torrent de Parreis einlegen wollten. So reichte auch eine halbe Stunde für ein erfrischendes Bad am Morgen und für die Morgentoilette. Mit gedecktem Frühstückstisch verließen wir den Ankerplatz und fuhren unter Maschine langsam gen Nordosten. Es war fast windstill und an Segeln war ohnehin nicht zu denken. Außerdem konnten wir so viel besser an Oberdeck das Frühstück auf See genießen, während die Berge der Sierra Tramuntana an uns vorbeizogen. Gut eine Stunde später erreichten wir den Torrent de Parreis.
Hierbei handelt es sich eigentlich nur um eine Schlucht, aus der sich im Frühjahr das Schmelzwasser der Berge in die See ergießt und in der in den Sommermonaten noch nicht mal ein Rinnsal zu sehen ist. Aber die Tatsache, dass er Felsdurchbruch selbst recht eng ist, dass sich das Tal zu einer beachtlichen Größe aufweitet und dass es von Land aus nur beschwerlich zu erreichen ist, macht den Torrent so interessant. Besonders, wenn mal als Segler zu früher Stunde hier festmacht, denn dann ist man hier wirklich allein. Außer uns hatten noch zwei andere Ankerlieger festgemacht, aber der eine war gerade damit beschäftigt, seinen Liegeplatz zu verlassen, und die Crew des anderen war weit und breit nicht zu sehen. Mit unserem Dinghi setzten wir an Land über und erkundeten das Tal und - nachdem man durch einen kleinen Tunnel ging - die Nachbarbucht, der Cala de sa Calobra, bzw. machten mit dem Dinghi ein paar Aufnahmen "unserer" Segelyacht.
Als wir nach etwa 1,5 h wieder unterwegs waren, trafen wir auf See wieder auf unsere Freunde auf der "DAY BY DAY". Von Wind war immer noch nichts zu spüren, in diesem Teil der Insel bildet sich auch kein Land-/Seewindeffekt aus, denn die hohen Berge verhindern dies. Unter Maschine liefen wir also der Küste entlang und - natürlich - begann wieder das Kochen. Pfannkuchen sind nun wirklich extrem einfach zuzubereiten, aber der damit erzielbare Effekt ist immer wieder erstaunlich groß. Mit Marmelade, Honig oder Schokocreme wanderte so manch Pfannkuchen nach oben und erfreute die Mitsegler. Nebeneffekt der kleinen Nascherei war, dass der kleine Hunger getilgt wurde.
Nach Passieren des Cap Formentor entschloss sich die Crew von Ulrich Bültermann zu einem Ankerstopp an der Nordseite der Bucht von Pollensa. Wir dagegen wollten probieren, ob das bisschen Wind nicht doch dazu ausreicht, den Blister noch mal steigen zu lassen. Lieber langsam unter Segeln gen Süden ziehen, als später noch mehr motoren zu müssen. Wer die bessere Wahl traf, lässt sich heute nicht genau feststellen. Der Ankerstopp war, den Berichten der "DAY BY DAY"-Crew zufolge, traumhaft schön, inkl. Unterwasserwelt. Andererseits hatten wir die Reststrecke bis Alcudia - wenn auch langsam - unter Segel zurückgelegt. Badestopp inbegriffen.
Puerto de Alcudia war sicher kein touristisches Highlight auf unserem Mallorcatörn, aber die Marina ist wirklich ausgezeichnet, ohne gleichzeitig teuer zu sein. Insofern lohnt schon deshalb ein Stopp. Zudem lag Alcudia recht günstig auf unserem Weg um die Insel herum ... und wir kannten ein paar Restaurants, bzw. konnten aus der Vielzahl der vorhandenen Restaurants wählen. Den Anfang machten wir in Ramon's Bar mit ein paar Tapas und einem kühlen Bier. Danach teilten wir uns auf und erkundeten die Gastronomie getrennt. Ich für meinen Teil wollte endlich mal ins Bogavante, hatte ich doch von Peter Sturzenbecher den Tipp erhalten, hier mal zu essen. Fürwahr, die Küche - vornehmlich Fischgerichte - war wirklich gut. Und auch gar nicht mal so teuer. Wer schon einmal den Unterschied zwischen einer Billig-Paella (z.B. in einer Werkskantine) und einer guten Paella erlebt hat, wird wissen, warum man sehr preiswerten Paellaangeboten misstrauen darf. Eine wirklich gute Paella bekamen wir im Restaurant Bogavante in Alcudia. Die Paella, mit vollem Namen übrigens "Paella Valenciana" ist nicht mallorquinischen Ursprungs.
Als wir wieder zurück an Bord waren, machte sich doch tatsächlich ein Teil der Crew "bettfertig" und wollte sich zurückziehen. Dieses Unterfangen wurde sogleich durch das Anzünden einer Geburtstagskerze bei gleichzeitigem Öffnen einer Sektflasche unterbrochen: Stefan Rinno hatte Geburtstag. So plauderten wir noch lange in die Nacht hinein und legten so den "Grundstein" für das späte Ablegen am nächsten Morgen. Vorher musste aber noch die Sangria aufgefüllt werden.
Die Crew der RED PEPPER beim wiederholten Ansetzen der Sangria: Axel Ginkel, Christian Sobotta, Johannes Hettenkofer, Stefan Rinno.
Die Crew der DAY BY DAY beim Relaxen an Oberdeck: Ulrich Bültermann, Giselle Bock-Naudy, Stefan Bock, Heinz Schulte, Thomas Mattstedt.
Die Tagesdaten:
07:30 Anker auf Port de Sóller;
08:45-10:20 vor Anker Cala de sa Calobra;
17:00-17:30 vor Anker Cala Aucanada;
18:00 Port d'Alcúdia fest;
Wind NE 1, See 1
Tageswege über Grund: 6 sm unter Segel, 29 sm unter Motor
Mittwoch, 22.06.2005 - Von Alcúdia nach Portocristo
Der Schlag von Alcudia nach Portocristo war recht ereignislos. Der Wind hatte uns für heute (ein letztes Mal) gänzlich verlassen und so fuhren wir mit relativ geringer Fahrt die Küste entlang. Jeder konnte mal ans Steuer, aber am beliebtesten waren die Plätze auf dem Oberdeck - mit einem Handtuch unterm Rücken und einer Dose Bier oder einem Gläschen Sangria in der Hand. Ab uns zu tauchte eine mit Hotels zugebaute Bucht auf und wurde fotografiert, aber größtenteils bestand dieser Tagesabschnitt in "gepflegtem Faulenzen". Natürlich wurde, gerade auch wegen des kaum vorhandenen Seegangs, wieder gekocht. Als kleine Mittagseinlage wurde eine Knoblauchsuppe gekocht, auf Spanisch liest sich das schon gleich viel interessanter:
Rezept: Sopa de Ajo
Zutaten: 6 EL Öl, 6 Weißbrotscheiben, 6 Knoblauchzehen, 1 l Brühe, 3 Eier, Salz, Pfeffer, frische Kräuter. Zubereitung: Knoblauch in Öl leicht bräunen, herausnehmen. Brot in Würfel schneiden und im Öl goldgelb rösten, anschließend mit der Brühe ablöschen. Vor dem Servieren die Eier hinein schlagen und mit frisch gehackten Kräuter bestreuen.
Kurz vor Portocristo schmissen wir den Herd ein weiteres Mal an und so war das Tumbet bereits fertig, als wir in diesem schönen Naturhafen anlegten. Wie auch in den Jahren zuvor, beschlossen wir das Mal mit einem Kaffee und einem Häagen Dasz aus dem nahe gelegenen Restaurant - selbstverständlich an Bord serviert.
Tumbet - Sommer-Gemüsepfanne
Das Tumbet ist ebenfalls ein typisches Sommergericht. Man reicht dazu Bauernbrot und roten Landwein.
Zutaten
Gebratenes Fleisch von einem Hähnchen (oder entsprechende Menge anderes Fleisch- oder Fischfilet)
5-7 mittelgroße Kartoffeln
2 Auberginen
2 Paprikaschoten
1 Zucchini
8-10 Knoblauchzehen
2 Zwiebeln
2 Lorbeerblätter
Petersilie
Salz, Pfeffer, Olivenöl
je 1 Prise Oregano und Safran
Zubereitung
Kartoffeln, Auberginen, Zucchini, Knoblauch, Zwiebeln und Paprika in etwa fingerdicke Scheiben bzw. Streifen schneiden und einzeln in Öl braten. Mit den Zutaten würzen. Schichtweise in eine feuerfeste Form geben. Das (vorgebratene!) Hähnchenfleisch bzw. das Filet oder den filetierten Fisch auf die Gemüselagen geben und alles noch 510 Minuten im Backofen oder auf dem Feuer durchziehen lassen.
Panoramabild von Portocristo
Im Gegensatz zu Alcudia ist Portocristo auch aus touristischer Sicht ein Hingucker. Man fährt in die Bucht hinein und nach einer 90°-Linkskurve liegt in diesem Flussarm auf der linken Seite die Marina und auf der rechten Seite die Altstadt von Portocristo. Vom Boot aus hat man die beste Kulisse. Dennoch - einen Landgang hatten wir doch noch gemacht, um die Sicht von der anderen Seite auf die Marina zu erkunden.
Die Tagesdaten:
22.06., 10:40 Port d'Alcúdia los;
19:00 Portocristo fest;
Wind SE-S 1, See 1
Tageswege über Grund: 12 sm unter Segel, 26 sm unter Motor
Donnerstag, 23.06.2005 - Von Portocristo nach Port Cabrera
Endlich wieder Wind, wenigstens ein bisschen. Und auch die Landschaft wurde wieder interessanter. Die Gegend heißt "Calas de Mallorca"und das nicht ohne Grund. Eine Bucht nach der anderen, wie an einer Perlenkette aufgereiht. Allein hier könnte man eine Woche oder auch zwei Wochen verbringen, wenn man den Schwerpunkt auf's Buchteln legt. Aber wir hatten heute mit Cabrera ein Tagesziel, das uns keinen großen Spielraum für lange Buchtaufenthalte gab. Dennoch, die Cala Mitjana stand als Ankerbucht ganz oben auf der Wunschliste, denn hierbei handelt es sich um eine Bucht, die von Land her nicht öffentlich zugänglich ist.
Cala Mitjana
Cala Mitjana
Nach dem Eingang der Bucht macht sie einen Rechtsknick und läuft sanft aus. Wir ankerten auf 4 m Wassertiefe und auf den Fotos erkennt man den Schatten unserer Yacht auf dem sandigen Meeresboden. Johannes war so freundlich und nahm seine Kamera in einer Plastiktüte geschützt mit an Land, um diesen Anblick festzuhalten - sonst hätte man uns diese Traumkulisse nicht geglaubt.
Ein defekter Großfall-Schäkel; da musste wohl jemand in den Mast.
Als wir wieder Anker auf gingen, sind wir auf Wunsch der Crew auf noch einen Abstecher in die nebenan liegende Cala Esmeralda gefahren. Doch als wir von dort weiterfahren wollten und beabsichtigten, das Großsegel zu setzten, stellten wir fest, dass das Großfall fehlte. Also fuhren wir gleich noch eine Cala weiter, welches die Cala d'Or war und in welcher es eine große Marina gab. Wir brauchten nur einen kleinen, aber ruhigen Stopp, damit wir jemand in den Mast schicken konnten, um das Fall zu inspizieren. Für den Aufstieg ins Topp wurde Johannes bestimmt. Er war unser durchtrainierte Athlet, der zudem wenig Gewicht mitbrachte und somit einfacher hochzukurbeln war. Für ihn war es zwar Premiere, in einem Bootsmannsstuhl den Mast nach oben gezogen zu werden, aber er schlug sich tapfer. Das Fall war schnell gegriffen und nach unten gereicht und so konnte Johannes noch ein paar Schnappschüsse aus der Vogelperspektive machen.
Marina Cala d'Or
Marina Cala d'Or
Warum der Schäkel des Großfalls kaputt war und deshalb aufgegangen war, ließ sich von uns nicht ermitteln. Auf unserem Törn hatten wir noch keine Winde gehabt, die übermäßige Last auf das Fall gebracht hätte. Und beim Setzen wurde das Fall sicher auch nicht übermäßig strapaziert - soviel Erfahrung brachten wir schon mit. So verbogen, wie der Schäkel aussah, schien es ein alter Schaden gewesen zu sein, der schlussendlich zum Öffnen des Schäkels führte. Wir waren froh, dass wir es in einer derart unverfänglichen Situation gemerkt haben und dass sie sich entsprechend schnell und mit Bordmitteln beheben ließ. Nach einer Stunde "Verlust" waren wir wieder aus der Marina Cala d'Or ausgelaufen und "on track".
Mit Axel Ginkel war ja ein ehemaliger Marinesoldat an Bord und auch der Skipper Guido Bolenski kannte die Traditionen der Marine ein wenig, so dass es klar war, dass es am Seemannssonntag Kaffee und Kuchen geben würde. Der Kaffee war schnell gekocht, und die süßen Teilchen aus der Bäckerei waren schnell gegessen. Tolle Tradition ;-)
Seemannssonntag
Auf Mallorca trifft man allerorts auf die mit Puderzucker bestreuten, schneckenförmigen
Hefeteiggebäcke, die Ensaimadas. Sie werden in den nicht minder auffälligen
achteckigen Transportschachteln auch gerne als Mitbringsel mit nach Deutschland
gebracht. Bei uns kam die gefüllte Variante zum Einsatz - als Kuchen am Seemannssonntag
(Auf See gilt der Donnerstag als Seemannssonntag. Und wenn es der Seegang zulässt,
gibt es ab 15.00 Uhr Kaffee und Kuchen. Auch unterwegs.).
Wir mussten leicht aufkreuzen, aber wir konnten auf dem Amwindkurs gut gen Cabrera laufen. Erst später nahm der Wind leicht ab und wir nutzten die Chance, unser Mittagessen zuzubereiten. Da wir nicht jeden Tag ausgeklügelte Küche angesagt hatten, freuten wir uns heute Abend auf Spaghetti al arrabiata. Nach so einem Segeltag das richtige Mahl.
Die Bucht von Port Cabrera im Licht der untergehenden Sonne
Cabrera ist die Hauptinsel einer unter Naturschutz stehenden Inselgruppe. Ankern ist verboten, festgemacht wird ausschließlich an präparierten, farbig gekennzeichneten Bojen. Je nach Größe des Schiffes legt man roten, gelben oder weißen Bojen an. Vorausgesetzt, man hat ein sog. Permit. Denn um in der Bucht von Cabrera übernachten zu dürfen, bedarf es einer vorherige Anmeldung und Genehmigung durch die spanische Naturschutzbehörde. Bei uns erledigte diese Anmeldung (und auch das Nachhaken beim Ausbleiben derselben) der Stützpunktleiter von SUN CHARTER. Auch das Betreten der Insel ist streng reglementiert. Einzig der Weg zum Kastell oberhalb der Bucht ist ohne Führer erlaubt - andere Touren über die Insel sind nur als geführte Tour in Begleitung eines Naturpark-Rangers möglich. Die Abgeschiedenheit, die Ruhe, das Fehlen jeglicher Fremdlichtquelle macht eine Übernachtung in dieser Bucht zu einem wunderbaren Erlebnis.
Die Tagesdaten:
09:30 Portocristo los;
12:55-14:00 vor Anker Cala Mitjana;
14:20 Cala d'Or fest;
15:00 Cala d'Or los;
19:00 vor Anker Port Cabrera;
Wind S 2, See 1
Tageswege über Grund: 20 sm unter Segel, 26 sm unter Motor
Freitag, 24.06.2005 - Von Port Cabrera nach Palma de Mallorca
Nach einer Nacht vor Anker ist die aufgehende Morgensonne mit eins der schönsten Erlebnisse eines Segeltörns. Noch vor dem Frühstück kann man beherzt für einen Badestopp ins spiegelglatte Wasser gleiten und die Abgeschiedenheit und Stille dieser traumhaften Bucht genießen. Nach und nach kamen auch alle anderen raus und badeten. Dann wurde der Frühstückstisch gedeckt und - wie in den Tagen zuvor auch - abgelegt. Nur heute blieb die Maschine aus. Da wir ja an der Boje lagen, lagen wir schon "im Wind" und es musste nach losmachen und leichtem Drehen nur das Vorsegel hochgezogen werden und wir wurden langsam aus der Bucht gezogen. Mehr wollten wir auch erstmal nicht. Die Hektik auf dem Nachbarboot konnte uns nicht anstecken. Langsam, teils sehr langsam, verließen wir den Nationalpark. Aber wir hatten erstklassige Logenplätze, einen Kaffee und einen gedeckten Frühstückstisch - da wollten wir auch gar nicht schneller sein. Erst als der Frühstückstisch abgeräumt war, setzten wir das Groß hinzu und nahmen noch etwas mehr Fahrt auf. Ordentlich getrimmt ließen wir so eine deutlich größere Segelyacht recht alt aussehen. Allerdings bemerkten sie, dass wir etwas schneller waren und begannen ihrerseits, die Segelstellung dem einfallenden Wind besser anzupassen und über Bord hängende Leinen einzuholen. "Länge läuft" heißt eine seglerische Binsenweisheit - aber sie erreichten grad mal die gleiche Geschwindigkeit wie wir. Da der Wind von leicht achterlicher als querab kam, bot sich natürlich der Blister noch einmal an, zumal die Strecke bis Palma mit ca. 20 sm auch ordentlich lang war, um ihn noch mal ordentlich zur Geltung zu bringen. Also Genua eingeholte und - schwupps - Blister gesetzt. Ein Traumgefühl.
Drei Stunden setzte ein anderes Gefühl ein - Hunger. Nun hieß es Improvisieren. Die Vorräte waren verbraucht, da recht exakt für eine Woche Proviant eingekauft wurde. Aber für ein Rührei hat's noch gereicht. Wobei wir natürlich nicht ein einfaches Rührei zubereiten, sondern wieder die spanische Küchentradition pflegen. Auch die Spanier kennen "Omeletts". Besonders hervorzuheben sei hier Johannes Hettenkofer, der es sich nehmen lassen wollte, auch mal für die Crew zu kochen. Danke, Johannes.
Tortilla Española - Spanisches Omelett
Dieses einfache Gericht schmeckt Omelettfreunden sicher gut.
Zutaten
6 Eier
3-4 Kartoffeln
2 Zwiebeln
4-6 Knoblauchzehen
eine halbe Tasse Olivenöl
Salz, Pfeffer
Zubereitung
Geschälte, in Würfel geschnittene Kartoffelstücke, Zwiebeln und Knoblauchzehen in
Öl andünsten. Salzen und pfeffern. Die Eier verquirlen, leicht salzen und der Pfanne
zufügen. Sobald unten die Masse beginnt, braun zu werden, die Pfanne mit einem Teller abdecken
und umdrehen. Dann das Omelett vom Teller wieder in die Pfanne gleiten lassen und auch die andere
Seite backen.
Da wir bereits recht früh abgelegt hatten und den Weg nach Palma auch recht schnell gesegelt sind, waren wir zeitig zurück am Stützpunkt. Nach nur kurzer Wartezeit an der Tankstelle füllten wir für etwa 35 EUR Diesel nach. Keine schlechte Bilanz für eine Woche Urlaub. Das Anlegen in der Box erforderte dann allerdings etwas Erfahrung, denn in Palma wehte nun doch ein etwas kräftigerer Wind, der zudem quer zur Box stand. Die kleine Schubhilfe mit dem Schlauchboot des SUN-CHARTER-Mitarbeiters war aber dennoch gern gesehen und machte das Manöver recht einfach. Allerdings war es anschließend interessant mitanzusehen, wie andere unter diesen Bedingungen anlegten - teils nicht einmal merkend, dass ihnen geholfen wurde. Wir haben den Aus-Check ähnlich schnell und professionell machen können, wie beim Einchecken.
Da wir recht früh am Samstagmorgen "unsere RED PEPPER" verlassen mussten, aber unser Flieger erst in den Abendstunden von Mallorca nach München flog, hatten wir einen ganzen Tag Landgang, was ja auch von Beginn an so geplant war. Johannes erkundigte sich nach einem Mietwagen für die Exkursion und stellte fest, dass wir bei einem 24h-Tarif den Wagen schon am Freitagabend bekommen konnten. Das verschaffte uns Flexibilität am Samstagmorgen und ein Fahrzeug für die Abendunterhaltung: Wir fuhren - wegen der größten Dichte an deutschen Restaurants, Kneipen und Discotheken - an die Playa de Palma. Kurz: An den Ballermann. Tatsächlich parkten wir in einer Nebenstraße in der Nähe des Balneario 6 und liefen von dort beginnend die Strandpromenade auf und ab, aßen zu Abend, tranken ein oder zwei Bierchen in der Bierstraße und tanzten ein wenig im "Oberbayern". Um 3 Uhr morgens waren wir wieder an Bord - um die Erfahrung reicher, dass so ein Zug durch die Kneipen in der Gruppe durchaus sehr unterhaltsam ist, aber sicher nicht ausreicht, um auf diese Art einen einwöchigen Urlaub zu verbringen.
Die Tagesdaten:
07:30 Anker auf Port Cabrera;
14:50 Palma de Mallorca fest
Wind E-SE-S 2-3, See 1-2
Tageswege über Grund: 20 sm unter Segel, 1 sm unter Motor
Samstag, 25.06.2005 - Landausflüge: Valdemossa, Deià, Fornalutx, Jardins de Alfabia
Die Übergabe des Schiffes an SUN CHARTER erfolgte bereits am Freitag kurz nach Rückkehr in den Stützpunkt. Und auch die Taschen wurden am noch am Freitagabend gepackt, schließlich kommen am Samstagmorgen schon wieder die nächsten Segelcrews. Für uns hieß bedeutete das, am Samstagmorgen früh von Bord zu gehen. Unseren Mietwagen hatten wir ja schon, also ging es auch gleich los, endlich mal das Innere der Insel zu erkunden. OK, ein kleines Frühstück in einem Café mit Blick auf die Marina haben wir vorher noch eingeschoben.
Also Tagesroute hatten wir die klassische Nord-Ost-Tagesausflugsroute ausgewählt: Palma-Valdemossa-Deià-Sóller-Palma.
Valldemossa
Valldemossa
Fornalutx
Das Tagesprogramm war also eng gesteckt und so taten wir es in Sachen Deià den Ausflugsbussen gleich und fuhren dran vorbei. Und da wir Port Sóller schon von der Seeseite her kennen gelernt haben und den Ort Sóller nicht so interessant fanden, nahmen wir gleich Kurs auf Fornalutx. Unser Reiseführer pries dieses kleine Bergdorf als Sehenswürdigkeit, die den Abstecher lohne. Wir hofften nur, dass es dort auch etwas zu essen gäbe, denn es die Mägen knurrten schon.
Fornalutx
Welch ein Glück, dass gleich gegenüber vom Parkplatz ein Restaurant zu finden war, welches zudem über einen herrlichen Blick auf die mallorquinische Bergwelt bot. Und eine ansprechende spanische Küche - nicht selbstverständlich für touristisch geprägte Orte. Hier gab es jedenfalls die Restaurant-Variante des "schmutzigen Reis", einem mallorquinischen Eintopf, den es auch schon mal an Bord gab. Auch wenn es den Arros Brut also diesmal auswärts gab, hier das Rezept:
Rezept: Arros Brut
Zutaten: 1 kg Fleisch (Schwein, Huhn), 250 g Reis, 1 l Brühe,
5 EL Olivenöl, 1 Zwiebel, 1 Tomate, 1 kleine Dose Erbsen oder
vergleichbare Menge frische Erbsen oder grüne Bohnen, Safran, Salz,
Pfeffer, Paprika, 1 Zitrone
Zubereitung: In Würfel geschnittenen Knoblauch und Zwiebel im Öl
vorbraten, dann das Fleisch mitbräunen. Mit der Brühe ablöschen,
anschließend alle Zutaten mit Ausnahme des Reises zugeben und 5 min
aufkochen lassen. Schließlich den Reis zugeben und etwa 15 min
kochen. Zum Schluss frisch gepressten Zitronensaft zur Abrundung
hinzufügen.
Der Spaziergang durch das kleine Dorf, insbesondere mit den vielen Treppen, tat nach dem Essen richtig gut. Auf dem Rückweg kamen wir - von Sóller nach Palma fahrend gleich jenseits des Tunnels - an den Gärten von Alfabia vorbei. Eigentlich ist der Begriff "Gärten" nicht ganz zutreffend, ist es doch 'nur' ein Garten. Aber dieser Garten zeigt eindeutig die Arabische Handschrift des Gründers.
Die Gärten von Alfabia
Sicher, der Garten ist keine außergewöhnliche botanische Leistung - dafür hab' ich schon so manch anderen schöneren botanischen Garten gesehen - aber nach dem langen Tag bisher war dieser Garten eine kleine Erholung.
Genug für heute, die Beine wurden langsam schwer. Und der Flug nach Hause rückte so langsam näher. Die letzte freie Stunde haben wir noch an der Strandpromenade des Playa de Palma verbracht, genauer gesagt in Ca'n Pastilla, wo der nachfolgende Schnappschuss gelang. Ein bezeichnendes Bild nach diesem Törn.
Urlaub auf Mallorca kann auch so aussehen: Die Playa de Palma von Ca'n Pastilla bis El Arenal.
Der Rückflug erfolgte plangemäß und ohne nennenswerte Ereignisse. Mallorca hat wieder einmal alle Erwartungen übertroffen.
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BUCHTIPP:
Im Jahre 1998 habe ich Mallorca zum ersten Mal umsegelt, damals noch als Mitsegler.
Zur Vorbereitung meines ersten Mallorca-Törns als Skipper im Jahr 2000 habe
ich mir das Buch "Mallorca" von Hand R. Grundmann zugelegt, um auch etwas von Land
und Leute kennen zu lernen. Ich habe bis heute keinen besseren Mallorca-Führer gefunden. |
![]() "Mallorca"
Hans-R. Grundmann, |

