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Letzte Änderung:
25.10.09

Mallorca 2008

Die Balearen im September

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Urlaubstörns mit Kindern und solchen, bei denen eine reine Erwachsenencrew segelt - der Törnbericht will einfach nicht fertig werden. Das liegt wohl in erster Linie daran, dass beim Buchteln die Erholung im Vordergrund steht und weniger das Segeln selbst. Und so werden zwangsläufig weniger Häfen angelaufen, man kümmert sich mehr um das Wohlergehen der Kids und schreibt entsprechend weniger auf. Andererseits ist's aber nicht so, als hätte man nichts erlebt. Im Gegenteil ... die Jungs haben gut durchgehalten und so manche Schräglage gut überstanden. Doch eins nach dem anderen.

Beginnen wir mit der Crew ... da ich als Skipper meinen ältesten Sohn Niklas mal auf einen Törn mitnehmen wollte, war die Ausrichtung als Familientörn vorgegeben. Keine langen Schläge, bei schlechtem Wetter auch gern mal einen Hafentag einlegen, alles etwas ruhiger angehen lassen - so war die Vorgabe. Mit meinem Freund Ralf war ohnehin ein sehr erfahrener Segler mit an Bord, sodass die Mitnahme weiterer Kinder oder Jugendlicher gut zu meistern sein sollte. Meine Arbeitskollegin Bianca Brinker brachte gleich zwei Nachwuchssegler mit und vervollständigte so die Crew.

 

vorn: Luca Brinker, Nils Brinker, Niklas Bolenski - hinten: Bianca Brinker, Skipper Guido Bolenski, Ralf Groß

Samstag, 06.09.2008

Die scheinbar größte Herausforderung bei so einem Segeltörn ist die Anreise per Flugzeug, wenn der Abflug - wie im vorliegenden Fall - von TUIFly-Flug X3 2412 ab München schon um 06:30 Uhr geplant ist. Die Fluglinie bittet ihre Gäste 90 min vor Abflug um Anwesenheit am Flughafen, d.h. man sollte ab 05.00 Uhr am Check-In sein. Rechnet man noch die Anfahrt zum Flughafen hinzu, kann man getrost um 03:30 Uhr losfahren. Auf welche Uhrzeit stellt man sich dann eigentlich den Wecker?

Wer das Fliegen anschließend nicht so aufregend findet, kann nach dem Abheben wenigstens etwas schlafen. Der Weg vom Flughafen Palma zum Schiff ist kurz - die Sloop SATCHMO, eine Sun Odyssey 35 von SUN CHARTER, liegt im Real Club Nautico mitten im Hafen von Palma. Wir können noch etwas Proviant bestellen und an Bord bringen lassen, übernehmen recht zügig das Schiff und legen noch am selben Tag ab. Natürlich nicht ohne die obligatorische Sicherheitseinweisung durchgeführt zu haben - und zwar für alle Crewmitglieder. Auch die Kids müssen wissen, worauf es in bestimmten Situationen ankommt.

Ursprünglich wollten wir nur mal ablegen, um das Schiff kennenzulernen, ein paar erste Bojenmanöver durchzuführen und um zum Baden in die Bahia de Palma zu fahren.

 Bahia de Palma

Aber nach dem Ende des Ankerstopps entschieden wir uns doch dafür, nicht zurück nach Palma, sondern in S'Arenal einzulaufen. Die Marina ist sehr gut und hat nichts von dem, was Pauschaltouristen mit El Arenal verbinden. Im Gegenteil, es weht ein Hauch von Luxus. Zur Marina gehört auch ein Pool, den die Jungs gleich ausgiebig nutzen.

Die Tagesdaten:

06.09., 14:00 Uhr Real Club Nautico Palma los; 15:55 Uhr – 17:05 Uhr vor Anker auf 39° 32,5‘ N 002° 39,0‘ E (vor S’Arenal); 17:15 Uhr S’Arenal fest
Tagesweg über Grund: 15 nm unter Segel, 3 nm unter Motor

Sonntag, 07.09.2008

Die Woche scheint windig zu werden. Heute mm Mittel Windstärke 3 aus östlichen Richtungen. Bei uns in Süddeutschland sind östliche Winde recht beständig. Mal sehen, ob das für Mallorca auch gilt. Da wir heute etwas Strecke machen wollen - bis Cabrera - üben wir nur kurz ein paar weitere Bojenmanöver, jetzt unter Maschine. In der Abdeckung vom Festland lässt der Wind logischerweise deutlich nach. Entsprechend langsam wird die Fahrt. Auch die Kids merken, je größer der Abstand zur Küste, desto besser kommen wir voran. So kam eine sechsstündige Fahrt zustande, ehe wir in der großen Bucht von Cabrera an einer freien Boje festmachen konnten.

Das Naturschutzgebiet Cabrera darf man nur ansteuern, wenn man ein Permit hat, d.h. eine Genehmigung der zuständigen Behörde. Diese Genehmigung holt der Vercharterer freundlicherweise ein. Da schon September war, wären theoretisch zwei Nächte auf der Insel möglich, doch hatte man uns leider nur eine Nacht zugestanden. So fuhren wir am Sonntag rüber nach Cabrera. Das Werfen des eigenen Ankers ist hier verboten - die Unterwasserwelt dankt es mit üppigem Wuchs.

 Cabrera

Ein Teil der Crew setzte am Abend mit dem Beiboot rüber zur Bar, ein anderer Teil erkundete die über dem Eingang der Bucht gelegene Festung am Vormittag des Folgetages. Der Wehrturm am Eingang der Bucht mit Blick aufs offene Meer, aber auch auf die Ankerbucht ist immer wieder ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Die Tagesdaten:

07.09., 11:25 Uhr S’Arenal los; 17:30 Uhr vor Anker Cabrera
Tagesweg über Grund: 10 nm unter Segel, 18 nm unter Motor

Montag, 08.09.2008

Da wir nur eine Nacht auf der Insel Cabrera bleiben durften, mussten wir heute wieder weiter. Wir hatten weiter östliche Winde, allerdings jetzt deutlich mehr als am Vortag. Die Windstärke lag am Anfang bei 4, später bei 5. Unsere Absicht, weiter die südöstliche Küste zu erkunden - ggf. bis rauf nach Portochristo - haben wir nach kurzer Beratung aufgegeben. Man muss ja nicht absichtlich gegen NE 5 aufkreuzen. So wurde das Tagesziel abgeändert in Es Trenc, die einzige von den großen Buchten auf Mallorca, die noch nicht zubetoniert ist. Dort legten wir einen tollen Badestopp ein und legten abends im Hafen von Sa Rapita an.

Sa Rapita ist regelmäßig auf der Liste der bevorzugten Häfen. Nicht, weil der Hafen selbst lohnenswert wäre. Es ist vielmehr das Restaurant Ca'n Pep, welches wenige Gehminuten von hier entfernt an der Uferpromenade liegt. Nicht nur die Paella ist ausgezeichnet. Seit diesem Törn weiß ich, dass das Restaurant am Montag seinen Ruhetag hat. Nach anfänglicher Enttäuschung nahmen wir im Restaurant nebenan Platz und wurden auch dort gut versorgt. Es ist wohl die etwas abgeschiedenere Lage, die Preis und Leistung ins passende Verhältnis setzen lässt.

Die Tagesdaten:

08.09., 11:45 Uhr Cabrera los; 14:15 Uhr - 16:25 Uhr vor Anker auf 39° 20,5‘ N 002° 58,8‘ E (Es Trenc); 17:00 Uhr Sa Rapita fest
Tagesweg über Grund: 15 nm unter Segel, 2 nm unter Motor

Dienstag, 09.09.2008

Der Wetterbericht war nicht unser (Segel)Freund. Im Hafen haben wir Windstärke 5 gemessen. Draußen - außerhalb der Abdeckung konnte man gute 2 Windstärken draufrechnen. Muss nicht sein - jedenfalls nicht mit Kindern. Die Entscheidung für Sa Rapita zahlte sich aus.

 Cabrera

Vorn: Unser Liegeplatz - Hinten: Unser Strand

Der große Strand von Es Trenc ist zu Fuß erreichbar. In Sichtweite unserer Yacht verbrachten wir einen schönen Tag am Strand und badeten mal "vom Land aus" in den Fluten. Zugegeben, es war etwas windig.

Die Tagesdaten:
Tagesweg über Grund: 0 nm

Mittwoch, 10.09.2008

Der Wind hat sich wieder etwas beruhigt. Und mit Windstärke 4 sogar im idealen Bereich. Nachdem wir Sa Rapita losgemacht haben, legten wir in der Cala Pi unseren Anker aus. Diese kleine Bucht windet sich im 90-Grad-Boden ins Landesinnere. Früher konnte man noch tiefer in die Bucht einfahren und lag relativ geschützt. Zu Gunsten der Badenden wurde mittlerweile ein Grußteil der Bucht abgetrennt. Segler müssen notgedrungen etwas weiter draußen ankern. Und es passen natürlich nur noch 2-3 Schiffe rein.

 Cabrera

Cala Pi

Den weiteren Weg zum Tagesziel Port Adriano wurden wir sanft durch den Wellengang geschaukelt und machten dabei gut Strecke. Der ein oder andere nutzte die Beschaulichkeit für ein Nickerchen auf See.

Port Adriano war auf dem Törn ein Kompromiss. Weiter nach Osten wollten wir nicht, weil's so langsam wieder richtig Palma gehen sollte. Noch weiter nach Westen (Port Andratx) wollten wir auch nicht, weil's als Tagesetappe zu lang gewesen wäre. Port Adriano lag zwischendrin - auch wenn's in der Vergangenheit als Marina nicht den besten Eindruck gemacht hat. Umso überraschender war es, dort eine Riesenbaustelle (auf der zum Glück nicht gelärmt wurde) vorzufinden. Aus dem kleinen Hafen Port Adriano, der schon immer bevorzugt von Motoryachten genutzt wurde, will man eine Riesenmarina für Mega-Motorbratzen machen. Mithilfe eines neuen Außenkais, der parallel zum jetzigen liegt werden 82 neue Liegeplätze geschaffen. Für Schiffe mit einer Länge von bis zu 60 Metern.

Am Abend waren wir im Restaurant El Faro in Port Adriano essen - hier endlich die obligatorische Paella. Auch wenn die Paella eigentlich nicht wirklich zur katalanischen Küche gehört. Sie war wirklich gut. Mir als skippernder Hobbykoch war sie wieder einmal die Bestätigung, dass meine selbstgekochte Paella daheim mindestens so gut ist, dass sie an dieses "Original" heranreicht.

Die Tagesdaten:

10.09., 11:15 Uhr Sa Rapita los; 12:45 Uhr – 13:45 Uhr vor Anker auf 39° 21,8‘ N 002° 50,1‘ E (Cala Pi); 18:15 Uhr P. Adriano fest
Tagesweg über Grund: 21 nm unter Segel, 8 nm unter Motor

Donnerstag, 11.09.2008

So langsam zog es uns wieder in die Richtung Palma. Schließlich wollten wir ja auch noch Buchteln. Bei SW 3, später S 2 fuhren wir nach Sicht bis zur Ankerbucht Cala Portals Vells. Ein Klassiker auf Mallorcatörns. Leider immer etwas voll, weil in der Bahia de Palma ein paar mehr Freizeitskipper auf diese Idee kommen. Dennoch - wenn man erstmal einen Platz gefunden hat, mag man gar nicht mehr weg. Mit dem Beiboot kann man umherrudern und mit dem Schnorchel den Ufersaum abtauchen.

 Portals Vells

Cala Portals Vells - wer weniger Tiefgang hat, findet leichter einen Liegeplatz in der Bucht.

Auf dem weiteren Weg wollten wir in den Hafen Portals Nous, auch eine von den Luxusmarinas. Aber per Funk teilte man uns mit, der Hafen sei voll. Wir fanden ein paar Meilen weiter einen Platz in Calanova. Die Marina ist sehr zu empfehlen, weil sie eigentlich als staatlicher Hafen ist. Hier ist die "Escola Nacional de Vela Calanova" beheimatet.

Die Tagesdaten:

11.09., 11:45 Uhr P. Adriano los; 13.35 Uhr – 16:45 Uhr vor Anker auf 39° 28,3‘ N 002° 31,3‘ E (Cala Portals Vells); 18:40 Uhr Port de Cala Nova fest
Tagesweg über Grund: 15 nm unter Segel, 4 nm unter Motor

Freitag, 12.09.2008

Ein letzter Tag auf See. Der Weg von Calanova zum Real Club Nautico Palma ist nur noch ein Katzensprung. Also segeln wir aus Lust ein wenig in der Bahia de Palma umher. Groß und Genua sind im 2. Reff gesetzt, der Wind weht mit 5-6 Windstärken.

 Segeln in der Bahia de Palma

Trotzdem, oder gerade deshalb fahren wir noch mal ein Bojenmanöver. Die Windex zeigt Wind 6. Die Manöver klappen, aber nach 30 min Stress ist's genug. Wir segeln lieber am Wind weiter. Bis wir irgendwann - aber immer noch vergleichsweise früh wieder zurück im Ausgangshafen sind.

Die Tagesdaten:

12.09., 11:15 Uhr Port de Cala Nova los; 13:45 Uhr Real Club Nautico Palma fest.
Tagesweg über Grund: 13 nm unter Segel, 2 nm unter Motor

Samstag, 13.09.2008

Über den Samstag ist schnell berichtet. Das Schiff war schon am Vortag ausgecheckt. So haben wir das Schiff verlassen und uns einen Tag lang in Palma umgeschaut. Das Gepäck konnte noch beim Vercharterer gelagert werden. Nicht nur die Kathedrale in Palma ist sehenswert.

Fazit

Mit knapp 130 nm sind wir dem Anspruch an einen Familientörn wohl gerecht geworden. Segeln und Baden hatte man sicher erwartet. Unberührte Natur und einsame Strände vielleicht nicht unbedingt auf Mallorca. Doch auch das hatten wir erlebt. Man muss nur wissen, wo.

 

Gesamtstrecke über Grund: 89 nm unter Segel, 37 nm unter Motor
Gesamt 126 nm