Die Inseln der südlichen Toskana
EUROCOPTER-/ESG-Flottille 2004 im Archipelago Toscano
Wie auch in den Jahren zuvor, erfolgte auch in 2005 wieder eine Firmenflottille. Interessanterweise allerdings ohne großen Zuspruch von Mitseglern aus der ESG, dafür um so mehr Kollegen aus der Fa. EUROCOPTER. So reichte es für 2 Schiffe, mit denen wir die südliche Toskana erkunden wollten. Die Wahl fiel auf dieses Revier, weil Ulrich Bültermann schon mehrmals in Porto Ercole zum Tauchurlaub war - und die Tauchbasis verchartert auch Schiffe.
Samstag, 01.05.2004
Gut, wenn man Mitsegler hat, die über einen sog. VW-Bus - oder besser "T4", wie er heute heißt - verfügen. Die komplette Crew ist per PKW nach Bruckmühl angereist, wo sie ihr Gepäck umlud und dann gemeinsam über die Alpen fuhr. Im Grunde fing der Törn also schon in Deutschland an.
Beim Einklarieren zeigte sich wieder einmal, welcher Vercharterer sich um die Belange des Charterers kuemmert und wer nicht. Wir fanden als Navigationsunterlagen veraltete Karten und Hafenhandbücher vor. Ein Leuchtfeuerverzeichnis fehlte gänzlich. Als Entschuldigung gab der Vercharterer am Stützpunkt an, dass sie keinen Einfluss auf die Ausstattung der Schiffe hätten. Aber man wolle den Eigner bitten, mal aktuellere Karten zu beschaffen. Eine mehr als fragwürdige Haltung.
Am Abend ging man in der kompletten Besetzung, also die Crews beider Schiffe, durch Porto Ercole und fand ein nettes Restaurant. Der Wetterbericht der Deutschen Welle sagte fuer den ersten nächsten Tag - unseren ersten Segeltag - südwestliche Winde um 3 voraus, spaeter auf SE drehend, begleitet von vereinzelten Schauern und Gewitter voraus.
Sonntag, 02.05.2004
Naja, der Himmel war tatsaechlich wolkenverhangen. Jedenfalls nicht so, wie wir es uns fuer einen Toskanatoern vorgestellt hatten. Aber zum Glueck regnete es nicht. Auf See hatten wir dann tatsaechlich 2-3 Bf Wind, aber aus SE, der dann auf S drehte. Unser Kurs lautete Isola Giglio. Bei suedlichen Winden war an ein Ankern vor den kleineren, suedlich gelegenen Inseln nicht zu denken, denn deren Buchten waren alle gen Sueden offen. Schade, denn diese Inseln wäre wir gerne angelaufen.
Mareile - im dritten Monat schwanger - meldete Hunger an. Nun ja, in diesem Zustand auch nicht weiter überraschend. Bei dem aktuellen Wetter und vor allem Seegang stellte die Anfrage nach einem warmen Essen doch eine gewisse Herausforderung dar. Dennoch gilt: Dein Wunsch ist mir Befehl. Zwei Kochtöpfe wurden festgeklemmt - und kurze Zeit später bruzzelte in dem einen eine Tomatensoße, wären in dem anderen Spaghetti zubereitet wurden.
Nach einer ansonsten recht ereignislosen Überfahrt, auf der es glücklicherweise dann doch nicht regnete, erreichten wir ⊳ Isola Giglio. Der kleine Hafen wird regelmäßig von Fähren angelaufen, die Tagestouristen auf dieser Insel entladen. Scheinbar ist die Überfahrt und ein Spaziergang auf der Insel ein beliebter Tagesausflug. Vom Hafen jedenfalls sind wir gleich begeistert. Tolle Kulisse. Nach dem üblichen Klarschiff gab es erstmal Landgang bis zum Abendessen, den die Crew unterschiedlich nutzte. Die meisten schlenderten die Hafenmeile entlang, genoß ein Café und genoss die Stimmung. Zurück an Bord gab es am Abend dann italienische Küche: Vorspeise Parmesan und Prosecco sowie Bruschetta, als Hauptspeise Saltimbocca alla romana. Beim Eisbärenspiel kam dann am Abend so richtig Stimmung auf. Wir haben erst kräftig gerätselt und später herzlich gelacht. Weniger schön war die Aussicht, dass es am Montag mit Windstärken jenseits der 6 Bf blasen sollte. Den "anderen Umständen" Rechnung tragend, legten wir einen Hafentag ein und planten so den Besuch von Giglio, dem Dörfchen im Zentrum der Insel
Die Tagesdaten:
11:30 Porto Ercole los
15:35 Isola del Giglio, Giglio Porto fest
Tagesdistanz: 18 Meilen
Montag, 03.05.2004
Die Insel ist wirklich schön - die Tagestouristen bekommen also wirklich was geboten, wenn sie eine Tour hierher buchen. Wir haben - um den Aufstieg nach Giglio Castello angenehmer zu machen - ebenfalls eine Busfahrkarte (Autolinee Brizzi, 1,42 EUR/einfache Fahrt) gelöst und sind per Bus die Serpentinenstraße bergauf gefahren. Oben trennten sich wieder die Wege der Crew. Dörfer und Städte besucht man stets besser in Zweier- und Dreiergrüppchen, denn größere Interessengemeinschaften lassen sich nicht unter einen Hut bringen. Ich bin mit meiner Frau alleine auf Tour gegangen, was sich zuletzt auch darin ausdrückte, dass wir für den Rückweg den Fußweg wählten und nur ein Einweg-Busticket gebucht haben. Der Fußweg lag auf der windabgewandten Seite der Insel und war zudem gut von der Sonne beschienen. Vorausgesetzt, er ist nicht zu steil, sollte es ein schöner Spaziergang werden. Doch erst wurde das Dörfchen besichtigt. Schmale Gassen und eine Mauer mit Wehrgang drumherum ... Giglio ist auch aus der Nähe betrachtet ein pittoreskes Fleckchen Erde. Gut, dass wir einen Hafentag einlegen mussten. Der Abstieg war - wir erhofft - ein gemütlicher Spaziergang. Schon nach kurzer Strecke kam der Hafen Giglio Porto in Sicht und die Ansichtskartenidylle war perfekt. Unten angekommen genossen wir erstmal einen Cappucino, bzw. eine heiße Schokolade.
Die Tagesdaten:
Hafentag Giglio Porto
Tagesdistanz: -
Dienstag, 04.05.2004
Das Wetter schien nicht wirklich gut werden zu wollen in dieser Woche. Zwar gibt es keine starken Winde mehr zu befürchten, aber richtig warm soll's auch nicht werden. Von mediterranem Bade- und Buchtensegeln sind wir weit entfernt. Dennoch, Giglio haben wir zur Genüge erkundet - wir wollen weiter. Für lange Strecken ist es uns allerdings zu regnerisch und so stecken wir als Tagesziel wieder einen Hafen auf dem Festland ab, den wir in recht kurzer Zeit auch erreichen. Die kurzen Schläge kommen Mareile sehr gelegen. Im dritten Monat hat man ohnehin mit Übelkeit zu kämpfen. Lange Schläge mit Seegang sind in diesem Zustand nur kontraproduktiv.
In San Stefano machen wir uns sogleich auf die Suche nach frischem Fisch, denn es sieht sehr danach aus, dass hier Frischfisch angelandet wird. Die Flotte an Fischerbooten macht einen recht aktiven Eindruck. Und so dauert es nicht lange, bis wir mehrere Verkaufsstände im Hafen entdecken. Das Menü steht: Auf Anregung und unter Anleitung der Mitsegler gibt es Schnecken als vorspeise, Gambas als Zwischengang und Orata als Hauptspeise. Den Regen kriegen wir kaum noch mit. Uns geht's gut.
Die Tagesdaten:
11:00 Isola del Giglio, Giglio Porto los
13:15 San Stefano fest
Tagesdistanz: 12 Meilen
Mittwoch, 05.05.2004
Der Schlag von San Stefano ins nördlich gelegene Talamone führt nur über die relativ große, aber flache Bucht nordwärts. Bei fast keinem Seegang ging es deshalb auch Mareile recht gut und sie stand heute fast ausschließlich am Steuer.
Talamone findet man allenthalben auf Ansichtskarten und die Altstadt und auch das Kastell macht einen recht hübschen Eindruck. Allerdings war es hier so tot, dass wir auf langfristige Sicht beschlossen haben, nie wieder in der ersten Maiwoche in der Toskana zu segeln. Giglio als kleiner Inselhafen hatte schon eine gewisse, touristische Quirligkeit und San Stefano als Fischerhafen bot auch ein gewisses Leben. Aber Talamone war ernüchternd. Das wolkenverhangene Wetter trug dazu bei, dass man dieses ansonsten recht nette Städtchen nicht besser in Erinnerung halten konnte.
Am Abend gab es international gemischte Küche: türkisches Haidari vorweg, italienische Ribollita als Hauptspeise und französiche Crepes zum Dessert.
Die Tagesdaten:
10:30 San Stefano los
12:20 Talamone fest
Tagesdistanz: 8 Meilen
Donnerstag, 06.05.2004
Nach einem kurzen Frühstück hieß es heute mal etwas zeitiger als sonst "Leinen los", denn es war an der Zeit, den Rückweg anzutreten. Wie weit uns der Wind treiben würde, war nicht klar, aber die Segelbedingungen waren nicht schlecht. Nur die Regenschauer und die dunklen Wolken am Horizont trübten die Freude. Da wir aber langsam, aber sicher wieder gen Heimat mussten (und wir gut voran kamen), beschlossen wir, soweit wie möglich an Rückweg schon heute zurückzulegen und dafür morgen etwas zu trödeln, bzw. die Zeit mit Landgängen zu nutzen.
Die Tagesdaten:
09:00 Talamone los
15:30 Marina Cala Galera fest
Tagesdistanz: 32 Meilen
Freitag, 07.05.2004
Mareile mag nicht mehr Segeln. Die gestrigen 32 sm waren wohl genug und die Aussicht auf erneute Übelkeit verbunden mit der Alternative auf einen kurzen Spaziergang ließ sie von Bord gehen. Es gab einen kurzen Fußweg von der Marina Cala Galera nach Porto Ercole. Der Seeweg war übrigens nicht wesentlich länger und bei nur 1 sm lohnte sich das Segeln auch nicht (mehr).
Die Crew (v.l.n.r.): Hans Dierschke, Skipper Guido Bolenski, Georg Vötterl, Mareile Gerlicher-Bolenski, Rita Vötterl, Reinhard Frolik
In Porto Ercole unternahmen wir noch aufgeteilt in kleinere Grüppchen Landgänge durch den Ort und insbesondere in Richtung des Kastells am Südrand der Bucht.
Die Tagesdaten:
Mareile geht zu Fuß
10:45 Marina Cala Galera los
11:30 Porto Ercole fest
Tagesdistanz: 1 Meilen
Samstag, 08.05.2004
Törndaten:
Distanz unter Segel: 52 sm
Distanz unter Motor: 19 sm
Gesamtdistanz: 71 sm