Türkei - Segeln fernab der Zivilisation
Um es vorweg zu nehmen - "fernab der Zivilisation" bezog sich auf den Segeltörn, den wir bewusst jenseits der Häfen und bevorzugt in Ankerbuchten durchgeführt hatten. Das Motto traf allerdings nicht auf Marmaris zu. Doch der Reihe nach ...
Wir waren im Hotel Paşa Beach, Kenan Evren Bulvarı No 40 Siteler, 48700 Marmaris, TÜRKİYE. Der Flug von München nach Dalaman war relativ kurz und ereignislos. Einzig die ungewohnt frühe Abflugzeit, verbunden mit der Maßgabe, mindestens 1,5 h vor Abflug am Schalter zu sein, ließ den Tag recht früh beginnen. Dennoch klappte alles wie am Schnürchen. Die Reisetaschen waren glücklicherweise schon am Vorabend abgegeben worden und am Ankunftsflughafen wohlbehalten in Empfang genommen. Außer uns hatten alle anderen Fluggäste Koffer aufgegeben, sodass wir unsere Taschen schnell entdeckt hatten. Auch der bereit stehende Reisebus mit dem Neckermann-Logo war schnell gefunden und so saßen wir entspannt im Bus und warteten auf die Fahrt nach Marmaris. Viele Geschichten über rasende Busfahrer und halsbrecherische Überholmanöver gingen uns durch den Kopf - doch es kam zum Glück nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Nach der geplanten Fahrzeit von ca. 1,5 h kamen wir gegen 10.30 Uhr in Marmaris an. Unser Hotel wurde von der Leitung im Bus ausgerufen und wir stiegen unmittelbar vor der Hotelhalle aus. Die perfekte Organisation setzte sich auch im Hotel fort - und so dauerte es nicht lange, bis wir uns mit den Taschen im Hotelzimmer wiederfanden.
Über die eine Woche Landurlaub werden wir im Detail nicht berichten, denn der Hotelurlaub selbst ist einer gewissen Tagesroutine unterlegen, die nicht minutiös beschrieben werden muss. Interessant war nur, dass Niklas lieber in den Pool wollte, während Guido und Mareile lieber im Meer baden wollten. Der Kompromiss bestand in einer zeitlichen Staffelung - vormittags Strand, nachmittags Pool. Das Essen war leicht türkisch angehaucht, aber im Großen und Ganzen doch recht kontinental. Deutliche Würzung der Gerichte kann man in einem Hotel dieser Größe wohl auch nicht erwarten. Man muss schließlich irgendwie den Geschmack Aller treffen. Nachteilig fanden wir allerdings, dass das Abendbuffett erst um 19.00 Uhr öffnete - für unseren Kleinen etwas zu spät, um gelassen zum Buffet zu gehen. Statt dessen mussten wir uns täglich mit den ersten am Buffet "schlagen". Organisierte Ausflüge, wie sie vor Ort angeboten wurden, haben wir kaum gemacht, da wir ja noch zwei Wochen selber auf Entdeckungsreise gehen und diese erste Woche zum Eingewöhnen und Erholen nutzen wollten. Deshalb traf es sich auch gut, dass zu den Touren ein Besuch in einem türkischen Badehaus gehörte. Das musste Mareile ausprobieren und so fand sie sich in einer Bustour zum "Armutalan Türk Hamamı" wieder. Das Badehaus liegt nur 15 min vom Zentrum von Marmaris entfernt und wird busweise angesteuert. Trotz Massenabfertigung und der Tatsache, dass züchtigerweise der Bikini in der Sauna anbleibt, war es eine erholsame Sache. Und die Neugier ist geweckt auf einen wirklich schönen Besuch in einem Hamam (In Bad Griesbach soll ein sehr schönes türkisches Bad sein.). Die Woche Landurlaub hat uns sehr gut gefallen - und ein Lob an dieser Stelle gebührt dem Dorfener Reisebüro ⊳ Reisebüro Kuliga, das uns kompetent und freundlich betreute.
Am Donnerstag fingen dann die Vorbereitungen für den Segeltörn an. Wir haben uns den Stützpunkt angeschaut und ein erstes Mal mit Uli und Peter geratscht. Peter Pöcksteiner ist Stützpunktleiter von Bavaria Yatcilik, und Uli ist dort für die Sauberkeit der Schiffe verantwortlich. Aber es ist nicht nur die perfekte Sauberkeit der Schiffe, sondern besonders die herzliche und freundliche Art, mit der uns Uli gefangen nahm. Bereits im Dezember des Vorjahres hatten wir uns auf der Münchener Messe "cbr caravan, boot, reisemarkt" am Bavaria-Yachtcharter-Stand kennengelernt und von ihr die Telefonnummer in der Türkei erhalten. Und ihre Tipps und Hilfestellungen bot sie vor Ort erneut reichlich an. Der erste Eindruck vom Schiff war dann auch gleich überwältigend. Wenn doch endlich Samstag wäre.
Am Freitag ist Wochenmarkt in Marmaris. Für uns eine Selbst- verständlichkeit, einmal dort zu bummeln und ein paar Gewürze einzukaufen. Schließlich wollten wir an Bord ordentlich türkisch kochen - und das heißt, mit reichlich türkischen Gewürzen und Kräutern. Um es vorweg zu nehmen - wir haben fast das gesamte Gemüse für die erste Woche eingekauft. Und damit wir das auch gleich vom Markt zum Schiff tragen konnten, mussten wir tatsächlich noch zwei Taschen kaufen. Der Markt selber lässt sich zweiteilen. Einerseits ist im Untergeschoss einer ruinenähnlich aussehenden Betonhalle ein Gemüsemarkt untergeracht, deren Besucher vermutlich ausschließlich Einheimische sind (Welcher Hoteltourist kauft schon Zucchini ?). Im Obergeschoss der Markthalle und in den umliegenden Straßen findet man den Markt "für die Touristen", denn dort gibt es die Taschen, T-Shirts, Marmorfiguren, Tücher, Sonnenbrillen, usw. Die angebotene Markenware ist nach Aussage der Händler natürlich "alles original" - aber warum kostet dann ein Marken-Sweatshirt nur umgerechnet 10 EURO ? Uns jedenfalls soll's nicht stören. Das Gemüse merkt's nicht, ob die Tasche ein Plagiat ist oder nicht. Der Weg zurück zum Stützpunkt war beschwerlich und eine leichte Enttäuschung machte sich breit, als wir dort niemanden mehr antrafen, was allerdings schon verständlich war, denn das arbeitsreiche Wochenende stand bevor und am Freitag nachmittag ist im Stützpunkt (noch) nichts los. So legten wir guter Dinge die mit Zettelchen beschrifteten Taschen vor die Tür von Peter's Büro und gingen heim - zum Hotel.
Zwei Wochen Segeln in der Türkei
Samstag, 23.06.2001
Ein erster Segelschlag in der Marmaris-Bucht
Am nächsten Tag war es endlich soweit - Samstag. Heut' beginnt endlich der Segelurlaub. Mit dem Taxi waren wir nach Frühstück und Aus-Check recht früh am Stützpunkt - und fanden unseren Einkauf bereits auf dem Schiff wieder. Die Gewürze aufgehängt, das Gemüse im Kühlschrank auf kleinster Stufe. Danke, Bavaria Yachtcharter. Der Rest des Tages lief genauso locker. Im Laufe des Vormittages konnten wir von Peter das Schiff übernehmen und Suleiman lieferte die am Vortag bestellten Lebensmittel aus seinem Supermarkt an unseren Steg.
Als Ralf und Heike gegen Mittag eintrafen, waren wir fast fertig zum Ablegen. Denn schließlich wollten Ralf und Heike auch etwas von der Stadt sehen, bevor es auf die große Seereise geht. Versorgt mit den Tipps von Uli gingen wir auf den Markt und von dort auf die Suche nach dem Barbier. Denn auch und gerade die türkischen Friseure/Barbiere lohnen einen Besuch - günstig und gut. Wer also frisiert in einen Türkeiurlaub fliegt, hat sich nicht richtig vorbereitet. Kaum eine Stunde später hatte Ralf dann auch eine perfekte neue Frisur und auch Mareile erstrahlte mit einem neuen Schnitt. Die Stunden in der Stadt verflogen und schon war der Nachmittag so weit fortgeschritten, dass wir uns entschieden, heute nicht mehr eine weitere Stadt anzulaufen. Stattdessen legten wir in der Netsel Marina ab, um in der Bucht einen Badestopp zu machen, anschließend aber wieder für die Nacht in unseren Liegeplatz zurückkehren. Die dazu erforderlichen Manöver übten uns gleich im Umgang mit dem Schiff.
Die Tagesdaten:
18.15 Netsel Marina los,
später vor Anker auf 36° 50,9' N 028° 16,1' E
19.45 Netsel Marina fest
Tageswege über Grund: 0,0 nm unter Segel, 3,0 nm unter Motor
Sonntag, 24.06.2001
Marmaris / Netsel Marina - Ekinçik Limanı
Am nächsten Morgen hatte uns dann die bekannte Seeroutine wieder. Nach dem Frühstück begann das Klarieren des Schiffes zum Auslaufen und kurze Zeit später waren die Leinen los - wir verließen endlich die Marmaris Bucht. Unsere Route sollte uns nach reichlicher Lektüre anderer Törnberichte und nach einigen Rückfragen bei Segelkameraden, die das Revier kennen, gen Osten führen. Wir wollten mindestens Ölü Deniz ansteuern, wenn möglich auch darüber hinaus. Wegen unseres Youngsters an Bord sollte Niklas zur bestimmenden Größe werden, wie lange und wie "anstrengend" wir einen Tagestörn dimensionieren können. Um es vorweg zu nehmen - der Wind war auch nicht so sehr dazu geeignet, große Entfernungen zurückzulegen, und so blieb es dabei, einen Badetörn mit Segeleinlagen zu machen. So führte uns der erste Tag bis Ekinçik Limanı.
Ekinçik Limanı ist bei den Türkeiseglern, die ab Marmaris chartern, mehr oder weniger ein Muss. Das Restaurant am Südteil der Bucht Maden Iskele wird in jedem Revierführer erwähnt und zudem ist diese Bucht Startpunkt für Ausflüge ins Delta des Flusses Dalyan. Dorthin gelangt man (nur) mittels kleiner türkischer (Ex-)Fischerboote, die sich in einer Kooperative zusammengeschlossen haben, um den Markt der Bootstouristen für diese Dienstleistung abzudecken. Die Absprachen funktionieren. Die Crew eines Bootes (egal, wie viele Teilnehmer) sollte für den Ausflug umgerechnet ca. 100 EURO zahlen. Für ein niederländisches Ehepaar, das neben uns lag, war das zuviel. Doch bei deren Versuch, gemeinsam mit uns ein Fischerboot zu organisieren, bekamen wir stets dieselbe Antwort: 2 Crews zahlen 200 EURO, selbst wenn sie gemeinsam auf einem Fischerboot fahren. So sagten wir dankend ab. Wir wussten, dass es noch lykische Felsgräber genug geben wird auf dem Weg unserer Route. Und der Fischer war auch nicht zum Handeln bereit. So zog er von dannen und war erst am nächsten Morgen wieder zu sehen - pünktlich zu unserem Frühstück. Doch mittlerweile waren die Niederländer, die unsere Einladung zu einem netten Abend an unserem Oberdeck freundlich annahmen, in der Nacht weitergefahren und wir hatten ebenfalls unsere Tagesplanung gemacht. Da halfen auch die Versuche des Fischers zum Handeln nichts mehr; zumal seine Angebote auch nach "Handelsschluss" seiner Spanne noch weit über dem lagen, was wir im Vergleich zu anderen türkischen Dienstleistungspreisen für angemessen hielten. Hier blieben wir hart - sollen andere Touristen diese Entwicklung fördern, aber abgezockt werden wollten wir eigentlich nicht. Und wenn wir glauben würden, dass wir was verpasst hätten, machen wir's auf der Rückreise.
Die Tagesdaten:
10.20 Netsel Marina los
später vor Anker auf 36° 46,4' N 028° 32,6' E mitten im Scheitel
der Ekinçik Limanı vor dem Strand
16.30 vor Anker auf 36° 49,7' N 028° 33,0' E am westlichen Ufer
der Bucht
Tageswege über Grund: 14,5 nm unter Segel, 5,0 nm unter Motor
Montag, 25.06.2001
Ekinçik Limanı - Baba Adası
Nach einer langen, aber ereignislosen Fahrt trafen wir am Tagesziel an: Baba Adası. In der Literatur war nicht eindeutig auszumachen, ob diese Insel auf ihrer NE-Seite hinreichend geschützte Ankerplätze für die Nacht bot und so sollte die Ortsbegehung entscheiden, ob wir bleiben. Heute musste ich sagen, dass es zu den schönsten Stellen des Törns zählte. Nur wenige Schiffe passen in diese Bucht Baba Adası, was eine gewisse "Einsamkeit" schafft. Und wegen der Abgelegenheit finden sich hier auch keine Tagesausflugsboote zum Badestopp ein. So hatten wir endlich Sonne, Ruhe und Abgelegenheit. Und das ganze nur für uns alleine. Ein Zustand, den wir uns zwar schon von Beginn des Urlaubs an gewünscht hatten, aber an den überfüllten Stränden noch nicht einmal ansatzweise bekommen konnten (Statt dessen durfte man sich dort gegen Touristen erwehren, die mit Handtüchern Strandliegen reservieren, und dann erst Nachmittags eintreffen). Hier zeigte sich einmal mehr, warum Segeln so wunderbar ist, selbst wenn die Lappen einmal unten bleiben.
Als ein erstes türkisches Rezept bereiteten wir Haydarı zu. Es handelt sich hierbei um eine pikante Käsecreme, hauptsächlich aus Joghurt und Schafkäse. Interessant ist die Würzung mit Minzblättern und gestoßenen Chilischoten. Frische, Schärfe aber auch Milde zeichnen diese Creme aus, zu der man einfach Fladenbrot reicht. Als Vorspeise ist es ebenfalls immer gern gesehen, und sie wird bei uns mittlerweile auf jedem Törn zwischendurch mal gereicht.
Rezept: Haydarı (Pikante Käsecreme)
200 gr Schafkäse, 175 gr Joghurt, 1 Bund glatte Petersilie, 1 TL Pul biber (gestoßene Chilischoten), 1 TL Nane (Minze), 2 Knoblauchzehen, 2-4 Peperoni - Alles gut mischen, fertig.
Wir hatten so unsere Bedenken, ob es Niklas nicht zu einsam oder zu eng auf dem Schiff werden würde. Aber wir konnten ihn schon recht gut beschäftigen, kümmerten uns sehr um ihn und nahmen Rücksicht auf ihn, nicht zu lange Segelschläge zu machen. An den Ankerplätzen wurde das Dinghi zu Wasser gelassen, um damit die Umgebung zu erkunden. Niklas bewies uns eindrucksvoll, dass Motorbootfahren wohl doch nicht so anspruchsvoll ist. Intuitiv hatte er raus, wie man lenkt und Gas gibt - und dass nur Vollgas Spaß macht. Leider kommen manche Wasserkaputtschneiderfahrer über dieses Reifestadium nicht hinaus. Wir jedenfalls hatten kaum noch eine Chance, selbst mal die Pinne des Außenborders zu halten. Es sei jedoch allen Lesern dieser Zeilen zur Beruhigung erwähnt, dass wir verantwortungsvoll stets eingriffbereit daneben saßen - jedoch nie ernsthaft eingreifen brauchten. Unserer Meinung nach eine stolze Leistung !
Tagesdaten:
10.10 Ekinçik Limanı los
11.45 Bojenmanöver unter Segel
13.30 vor Anker auf 36° 41,7' N 028° 41,7' E nördlich von Baba Adası
Tageswege über Grund: 5,0 nm unter Segel, 10,0 nm unter Motor
Dienstag, 26.06.2001
Baba Adası - Göcek
Die Weiterfahrt am nächsten Morgen sind wir lieber zeitig angegangen. Zum einen sollte der Wind weiterhin nur sehr schwach wehen und zum anderen wussten wir nicht genau, die Dauer für die uns noch unbekannte Strecke einzuschätzen. Um 8 Uhr verließen wir unseren Traumliegeplatz ohne Frühstück - lediglich ein frisches Morgenbad rund um's Schiff hat unsere Lebensgeister geweckt. Bei glatter See und geringer Marschfahrt ließ es sich aber vortrefflich an Oberdeck frühstücken, während unser Kurs ostwärts zeigte.
Einzige Abwechslung auf diesem Teilstück war die Einflugschneise vom Flughafen Dalaman. Es war schon beeindruckend, wenn die landenden Flieger mit ausgefahrenem Fahrwerk über einen hinwegbrausen und kurze Zeit später kurz hinterm Strand in Richtung Landesinnere aufsetzen.
Mit großer Spannung sind wir am späten Nachmittag in das Revier eingefahren, dass das vorrangige Ziel unseres Törns sein sollte: Die weiträumige Fethiye Bucht mit den unzähligen Ankermöglichkeiten. Unsere Planung war, dass wir am Abend wieder mal eine Nacht im Hafen verbringen, um Frischwasser und Proviant nachzufassen und den Kühlschrank herabzukühlen. Vorher jedoch sollte noch reichlich Zeit sein für einen Badestopp, den wir auch gleich kurz nach der Einfahrt in den Golf nördlich von Domuz Adası gefunden haben. Neben uns lagen nur eine weitere Segelyacht und eine Motoryacht in der großen Bucht. Das Segelrevier scheint von Beginn an das zu halten, was wir uns erhofft hatten. Kurz nach dem ersten Badestopp stand das Mittagessen an Oberdeck und zum Dessert gab's weiteres Baden, Sonnenbaden, Dinghifahren und faulenzen. Erst spät legten wir ab und nahmen Kurs auf Göcek.
In Göcek bot sich dann endlich die Gelegenheit für ein Gruppenphoto - natürlich im ⊳ SKT-Crewshirt
Bevor wir in der Stadtmarina von Göcek einliefen, sahen wir am rechten Ufer vor der Stadt die im (fast fertiggestellten) Bau befindliche neue Marina. Wirklich beeindruckend. Leider wird die Entwicklung wohl dahin gehen, dass die Fethiye Bucht zukünftig stärker befahren wird, als wir es noch erlebt haben. Für Göcek sei anzumerken, dass in unserem (Hafenhand)Buch beschrieben war, dass man vor Buganker und Heckleinen anlegt. Dies gilt jedoch nur für den Kopfbereich der Piers, an denen die größeren Segler - hauptsächlich Gülets - festmachen. "Normale" Segelyachten legen weiter innen an und finden dort Moorings vor.
Zu empfehlen war in Göcek das Restaurant Delfin, dass unmittalbar vor der Marina liegt und dessen Chef uns eine leckeres Gesamtangebot für ein Abendessen inkl Vorspeise, Hauptgang (natürlich Fischplatte) und Dessert machte. Proviantieren ist in Göcek ebenfalls kein Problem. Es gibt allein in unmittelbarer Nähe zur Marina mehrere Geschäfte, die sich hierauf spezialisiert haben. Alle bieten ein komplettes Sortiment an, welches man auf'm Schiff so braucht: Nährmittel, Gemüse, Obst, Getränke, Drogerieartikel, usw. Selbstverständlich inklusive Lieferservice ans Schiff.
Tagesdaten:
08.00 Baba Adası los
11.40 vor Anker auf 36° 40,9' N 028° 53,3' E nördlich von Domuz Adası
16.45 Göcek Stadt Marina fest
Tageswege über Grund: 7,5 nm unter Segel, 16,5 nm unter Motor
Mittwoch, 27.06.2001
Göcek - Tersane Adası
Der Tag fing ruhig an. Langes Ausschlafen, großes Frühstück an Oberdeck, ausgiebiges Duschen, nochmaliges Shopping, usw. Erst gegen 11 Uhr waren wir klar zum Ablegen, was aber kein Problem war, denn von nun an werden die Tagesetappen im Golf von Fethiye deutlich kürzer ausfallen als sonst bei Segeltörns. So erklärt sich, dass wir schon nach 2 Stunden in der Bucht Tersane Adası ankamen - eine Bucht, die auch schon auf den Luftaufnahmen in unserem Reiseführer wunderbar aussah. Allerdings hat eine Bucht dieser Schönheit auch Nachteile. Hauptsächlich den, dass viel Betrieb herrscht und so waren wir hier nicht allein - im Gegenteil. Eine große Anzahl von Segelyachten hatte schon den passenden Ankerplatz gefunden (die mit weniger Tiefgang weiter innen, die mit größerem weiter außen) und eine ebenso beachtliche Zahl von Gülets und anderen Ausflugsschiffen fand sich hier ein. So blieb uns zunächst einmal nur ein zweitklassiger Platz am Eingang der Bucht, der allerdings beste Aussichten auf das hier gebotene "Hafenkino" bot. Gerade die Ausflugsschiffe waren dabei von besonderem Interesse, denn die blieben meist nur für einen sehr kurzen Stopp und das gleichzeitige (!) Baden aller Ausflugsgäste gleichzeitig war sehr kurzweilig anzuschauen. Anzumerken sei vielleicht noch, dass in der Einfahr der Grund sehr steil abfällt und wir deshalb bei diesem weniger attraktiven Ankerplatz (a) mehrere Anläufe unternehmen mussten, bis der Anker hielt und (b) hierfür viel Kette stecken mussten.
Tersane Adası - Ankern inmitten von Ruinen
Später, als sich der Tagesrummel aus Tersane Adası zurückzog, bot sich für uns die Gelegenheit, einen besseren und auch für die Nacht sichereren Ankerplaz zu suchen. Wir fanden ihn an der Ostseite der Bucht mit Blick auf das kleine Restaurant, den Ruinen im Scheitel der Bucht und dem gegenüberliegenden Sonnenuntergang. Gerade die Ruinen, die vermutlich historisch nicht sonderlich wertvoll zu sein schienen, aber doch recht reizvoll anzuschauen waren, weckten unser Interesse und wir machten uns nacheinander auf, diese mittels Dinghi und Landgang zu erkunden. Aufpassen mussten wir dabei auf die Tatsache, dass auch unter Wasser Teile von einer zerfallenen Siedlung zu finden war, deren Mauerreste teilweise bis nah unter die Wasseroberfläche reichten und somit eine Gefahr für den Außenborder darstellten. Trotz der Tatsache, dass hier fast allenorts eine ca. 2000 Jahre alte Geschichte unter und über Wasser quasi öffentlich "rumliegt", sollte man sich nicht verleiten lassen, antike Fundstücke in welcher Form auch immer mit nach Hause nehmen zu wollen. Hier zeigen die türkischen Behörden (zu Recht) kein Verständnis und verhängen empfindliche Strafen, sollte sich im Reisegepäck eine Amphore oder antike Münze befinden.
Tagesdaten:
11.10 Göcek los
13.20 vor Anker auf 36° 40,5' N 028° 54,9' E nordwestlich von Tersane Adası
Tageswege über Grund: 0,0 nm unter Segel, 6,5 nm unter Motor
Donnerstag, 28.06.2001
Tersane Adası - Gemiler Adası
Obwohl wir ein etwas weiter entferntes Ziel für unseren heutigen Tagesabschnitt ausgewählt hatten, ließen wir uns recht viel Zeit mit dem Aufbruch. Der Urlaubseffekt hatte wohl schon eingesetzt und frühes Aufstehen passte somit definitiv nicht mehr dazu. Außerdem war auch keine Eile geboten, denn mit dem vorhergesagten Wind sollte die Fahrt nach Ölü Deniz recht schnell vonstatten gehen - was dann auch der Fall war. Wir genossen wieder ein längeres Stück zu Segeln und kamen wider Erwarten schon gegen Mittag am sog. "Traumstrand" Ölü Deniz an.
Die Anführungszeichen für den "Traumstrand" sind mit Bedacht gewählt. Angeregt durch viele Reiseprospekte und Urlaubskataloge, wie auch Reiseführer, Erfahrungsberichte und Luftaufnahmen war Ölü Deniz zu Beginn des Törns unangefochtener Höhepunkt. Die Ernüchterung setzte recht schnell ein, als wir da waren. Aus navigatorischer Sicht sei zu erwähnen, dass es nicht möglich ist, zwischen der Zungenspitze und den gegenüberliegenden Felsen zu ankern, da dies durch entsprechende Befahrensverbote und Absperrungen verhindert wird. Das ohnehin verbotene Ankern in der Bucht hinter der Zunge wird damit sinnigerweise auch unterbunden. Segelyachten bleibt also nichts anderes übrig, als einen der wenigen Plätze weiter westlich zu suchen. Der Sinn des Anker- und Befahrensverbotes wird deutlich, wenn man nach Abschluss der Ankermanöver ein Auge für die Schönheit dieses Strandes findet, indem man sich mit dem Dinghi nähert.
"Traumstrand" Ölü Deniz
Offensichtlich werden alle Reiseprospektfotos an sonnigen Tagen im Winter (!) geschossen, denn als wir dort waren, konnte man nur Menschen und Sonnenschirme erkennen. Der Strand war nicht zu sehen. Entsprechend viel Betrieb herrschte im Wasser und die Schwimmer kümmerten sich wenig darum, was um sie herum passierte. Die Absperrmaßnahme ist also unerlässlich. Wir nahmen unser Mittagessen mit Aussicht auf diesen überfüllten Strand ein und freuten uns über unsere relative Abgeschiedenheit, sowie über unsere Freiheit, den Ort schnell zu wechseln, falls er uns nicht gefallen sollte. Ölü Deniz gehört jedenfalls zu den Orten, die aus unserer Sicht nur für einen stundenweisen Badestopp taugen. Und er gehört nun garantiert auch nicht zu den Orten, an denen wir einen Hotelurlaub machen würden.
Unser aktueller Ankerplatz war nicht sicher genug, um hier zu übernachten und so fuhren wir zur nahe gelegenen Insel Gemiler Adası, an deren Nordseite man geschützt liegen kann. Wir fanden dies bestätigt, als wir dort ankamen und die Anzahl der Yachten, die schon da waren und die noch kamen, sprachen für sich. Das faszinierende an diesem Ankerplatz war die Tatsache, dass man auf wirklich historischem Ruinengrund ankert. Auf der Insel Gemiler Adası sind noch Reste antiker Bebauung erkennbar gewesen, die sich bis weiter unter die Wasseroberfläche fortsetzten. Im Gegensatz zu dem überlaufenen Touristenstrand von heute mittag fanden wir hier ein richtiges Kleinod. Besonders das Schnorcheln machte uns hier großen Spaß, die vielen verschiedene Fische vor historischer Unterwasserkulisse schwimmen zu sehen.
Natürlich war auch dieser Platz nicht unberührt, denn es hat sich längst eine den Wassertouristen angepasste Dienstleistungskultur entwickelt. Motorboote mit einer nachgezogenen, aufgeblasenen Riesenbanane kamen vorbei und baten Ihre Dienste an, wie auch das nahe gelegene Restaurant im Scheitel der Bucht schickte Motorboote herum, um Kunden anzuwerben. Das Verfahren ist dabei stets gleich: man wird zum vereinbarten Zeitpunkt mit einem kleinen Motorboot am ankerliegenden Schiff abgeholt und zum Restaurant gefahren, bekommt dort ein üblicherweise gutes, aber überteuertes Abendessen serviert und wird anschließend wieder zurück zum Schiff gefahren. Wir bedankten uns freundlich und sagten ab, nicht aber ohne (im Spaß) zu erwähnen, dass wir eher frisches Brot bräuchten. Geschäftstüchtigkeit zeichnet sich offenbar dadurch aus, dass man sich den Bedürfnissen des Kunden anpasst - und so offerierte uns der nette Junge am Steuer des Motorbootes, dass es kein Problem sei. Seine Oma würde für uns frisch Brot backen - in zwei Stunden käme er wieder. Und weg war er.
Natürlich kam er wieder und er hatte drei frisch gebackene, runde, herrlich duftenden Brotlaibe dabei, die er uns auch gleich hochreichte. Als er uns jedoch den Preis nannte, reichten wir ihm die Tasche unter Kopfschütteln wieder zurück. Schließlich hatten wir schon ein paar Tage Türkeiurlaub hinter uns und kannten die "Spielregeln" (abgesehen davon, dass das Brot wirklich zu teuer war). Nach einigen Verhandlungen und vor die Tatsache gestellt, dass er wieder mit einem oder gar allen Broten zurückfahren müsste, einigten wir uns dann doch auf einen passablen Preis. Zum Glück - denn kaum, dass die Brote unter Deck waren, machten wir uns über sie her. Selbstgebackenes türkisches Brot, Haydarı und Rakı. Unbeschreiblich.
Rezept: Mantı (Gefüllte Nudeln, vergl. Ravioli)
Für den Teig: 450 gr Mehl, 1/2 TL Salz, 1 Ei - Für die Füllung: 250 gr Lammhack, 1 Zwiebel, 1 Bund glatte Petersilie, Salz, Pfeffer, (edelsüßes) Paprikapulver - Für die Soße: 500 gr säuerlicher Joghurt, 2 Knoblauchzehen, Salz, 100 gr Butter, 1 TL Pul biber
Dass wir anschließend eine leere Flasche Rakı hatten, kam uns gerade recht, denn wir wollten heute der türkischen Küche weiter treu bleiben und hatten uns Mantı auf den Speisenplan geschrieben. Mantı sind eine Art gefüllte Nudeln, wie man sie ansonsten nur mit Ravioli vergleichen könnte. Der Vergleich gelingt aber nur in Bezug auf die Art der Zubereitung, nicht jedoch in Bezug auf Aussehen oder gar Geschmack. Hier gibt es deutliche Unterschiede. Abgesehen davon, dass "unsere" Mantı auch nicht das Originalaussehen hatten - das haben wir dann wohl doch nicht hingekriegt. Aber geschmeckt haben sie sehr gut.
Tagesdaten:
09.40 Tersane Adası los
11.55 vor Anker südlich von Ölü Deniz
17.00 vor Anker nördlich von Gemiler Adası
Tageswege über Grund: 12,0 nm unter Segel, 10,0 nm unter Motor
Freitag, 29.06.2001
Gemiler Adası - Monastır Koyu
Kein Wind ! Schade, denn heute wollten wir wieder zurück in den Fetiye Körfezi, was wir notgedrungen nun unter Maschine machten. Weil's der eigenen Sicherheit und der der Crew dient, wurden zwischendurch immer mal wieder entsprechende Lagen eingespielt, wie auf diesem Teilstück "Boje über Bord unter Maschine".
Jenen, die sich nichts darunter vorstellen können sei gesagt, dass es sich hierbei um ein Manöver handelt, einen Überbordgefallenen wieder aufzunehmen. Dabei wird unter anderem stets jemand eingeteilt, der nichts anderes zu tun hat, als den Überbordgefallenen (im Übungsfall die überbordgefallene Boje, bzw. im Ernstfall den Schiffbrüchigen) im Auge zu behalten und stets die Richtung dorthin anzuzeigen. Dies ist notwendig, weil das Wiederfinden eines einmal aus den Augen verlorenen Menschen fast nicht möglich ist, wenn Wind und Seegang herrschen sollten. Diese Aufgabe hatte Niklas mit großer Freude übernommen und sehr gut erfüllt. Er war mit großer Motivation dabei, zeigte mit ausgestrecktem Arm auf die Boje und sagte die Entfernungen zur Boje durch. Der Rudergänger wusste immer, wo's lang geht. Im vorliegenden Fall erfüllte er diese Aufgabe allerdings mit einer gewissen Deklination, denn Anzeigerichtung und tatsächlicher Ort der Boje weisen um 90° auseinander. Die Boje befindet sich (wie auf dem Foto ersichtlich) momentan am Bug und wird gleich von Ralf gefischt werden.
Unser Tagesziel war Monastır Koyu, eine Ankerbucht im Westen der Fethiye Körfezi. Etwas Wind war mittlerweile aufgekommen und dies leider quer zum Scheitel der Bucht - also Seitenwind, wenn wir vor Buganker und Heckleine liegen werden. Da wir hier auch übernachten wollten, verbesserten wir unseren ersten Ankerversuch und legten noch einen zweiten hin. Das Festmachen der Achterleine an Land ist hier besonders komfortabel geregelt, da hier in regelmäßigen Abständen Ringe in den Fels einbetoniert worden sind. Vermutlich eine Maßnahme des Umweltschutzes, denn so brauchen die Bootstouristen nicht an einem Baum festmachen. Wir lagen also sicher und in gutem Abstand zu unseren Nachbarn und badeten erst einmal. Fische auf verschiedenen "Etagen" schwammen unter uns durch. Knapp unter der Wasseroberfläche bis auf eine Tiefe von bis zu 2 m schwammen ganz kleine Fische in größeren Schwärmen, eine Ebene tiefer waren die Schwärme der etwas größeren Fische angesiedelt und ab 4-5 m Wassertiefe zogen dann schon beachtlich große Fische einzeln ihre Runden.
Betriebsamkeit kam auf, denn eine 45-Fuß-Segelyacht mit einer 8-köpfigen Männercrew wollte in Luv von uns vor Anker gehen. Schon im Ansatz war erkennbar, dass das nicht gut gehen würde, denn der Anker fiel viel zu weit draußen. Als dieser dann hielt und die gesamte Kette gesteckt war, erkannte auch der Skipper, dass man im Rückwärtsgang nicht näher ans Land kommen würde und befahl Anker auf. Im zweiten Versuch hatte man die Entfernungen besser eingeschätzt, nicht jedoch, dass man bei Seitenwind abgetrieben werden würde. Man hielt kein Platz in Luv vor, sondern fuhr optimistisch auf den Platz, auf dem man zu liegen kommen wollte. Wir machten schon mal unsere Fender in Luv klar.
Das Manöver wurde aber nicht abgebrochen. Der Mann mit der Achterleine sprang von Bord, schwamm an Land und suchte nach einer Möglichkeit, die Leine festzumachen. Erste Rufe von Nachbarbooten erschallten, den oder jenen Ring dort zu nehmen, bis er ihn fand. Dann begann das Trauerspiel. Während die 45er- Yacht langsam auf uns zu driftete, versuchte sich der Achterleinenmann im Knoten. Alles in der Umgebung schaute zu. Was dann kam, erfüllte die Bucht mit herzhaftem Lachen und trieb uns die Röte ins Gesicht.
"Der kann ja noch nicht mal 'nen Palstek." rief Niklas - selber noch nicht einmal 6 Jahre alt - über die Bucht. Das war zuviel. Ralf und ein Besatzungsmitglied eines anderen Bootes sprangen ins Wasser und schwammen dem armen Kerl zu Hilfe. Die 45er-Segelyacht lehnte sich mittlerweile längsseits an unsere "Mira", die selber nur 36 Füße lang war. Unser Anker und unsere Achterleine hielt (noch), aber eine Lösung musste her. Peinlich berührt und um einen Ausweg bemüht, warf der Skipper die Achterleine schlussendlich selbst los, gab Fahrt voraus und "Anker-auf-Kommando" und schrammte noch einmal kräftig mit seinem Ruderblatt knapp 1 m unter Wasser über unsere mittlerweile recht kräftig durchsetzte Ankerkette. Ein weiterer Versuch wurde (glücklicherweise !) nicht mehr gemacht; sie ankerten frei schwojend in der Mitte der Bucht, setzten ein Dinghi aus und holten ihren verlorenen 8. Mann vom Ufer zurück.
Niklas hatte völlig zu Recht gelästert, denn wer mit der Achterleine an Land schwimmt, sollte wenigstens einen Knoten können. Dennoch wollten wir wissen, ob Niklas ihm die Stirn bieten konnte und siehe da, er hatte in den Tagen zuvor gut aufgepasst: Womit so manch' Erwachsener seine Probleme hatte, Niklas (5) zeigt's gerne: Ein Palstek.
Tagesdaten:
08.15 Gemiler Adası los
11.20 vor Anker im westlichen Scheitelpunkt von Monastır Koyu
Tageswege über Grund: 0,0 nm unter Segel, 16,5 nm unter Motor
Samstag, 30.06.2001
Monastır Koyu - Göcek
Es war wieder einmal Zeit zum Bunkern, frisches Wasser musste her und ein heruntergekühlter Kühlschrank wäre auch ganz nett, schmeckt doch das Bier "Efes" dann besonders gut. Unser Tagesziel sollte also wieder Göcek lauten. Auf dem kurzen Weg dorthin, legten wir aber noch einen Badestopp in der Inselgruppe Yassıca Adaları ein, die auf zahlreichen Luftaufnahmen besonders reizvoll aussah. Allerdings hat sie auch einige Flachstellen, so dass man mit einem Segler schon aufpassen muss, wo man langfährt. Wir nahmen Platz in einer Bucht an der Ostseite der nordwestlich gelegenen kleinen Insel. Dort waren wir relativ allein und konnten alles weitere gut mit dem Dinghi erkunden. An der Westseite des gegenüber liegenden "Löffels" legten wieder reihenweise Ausflugsboote, größtenteils aus Fethiye an und kippten für einen kleinen Partyaufenthalt Ihre Fracht auf den Strand. Leider sah dieser anschließend auch genau so aus. Wir fragten uns, ob sich die Türkei diese Form des Tourismus noch lange leisten kann und freuten uns, dass wir mit dem Segelschiff auch woanders festmachen können.
Verträumte Bucht inmitten der Göcek-Bucht: Yassıca Adaları
Abends in Göcek gingen wir wieder einmal essen und ließen uns von lokalen Teppichhändlern die Vorzüge orientalischer Teppiche erklären. Zum Glück blieben alle standhaft und erlagen nicht den Sonderangeboten oder dem Gefühl, bereits so viel Rabatt herausgehandelt zu haben, dass sich nun doch ein Kauf lohne.
Tagesdaten:
09.15 Monastır Koyu los
10.40 vor Anker auf 36° 42,6' N 028° 55,9' E zwischen Yassıca Adaları
16.40 Göcek Stadt Marina fest
Tageswege über Grund: 2,0 nm unter Segel, 9,5 nm unter Motor
Sonntag, 01.07.2001
Göcek - "Quellenbucht" im Fethiye Köfezi
Ein Etmal von 8 Meilen - und davon nur 2 Meilen unter Segel. Egal, wir haben Urlaub. Und wenn schon kein Wind geht, verholen wir uns in eine der schönsten Buchten der Fethiye Körfezi. Die "Quellenbucht" heißt eigentlich nur in Seglerkreisen und in deren einschlägiger Literatur so, da diese Bucht offiziell namenlos ist. Selbst vor 12 Uhr waren die Liegeplätze vor der namengebenden Quelle schon belegt, so dass wir uns einen weiträumig freien Platz in der NE-Ausbuchtung suchten. Wie auch im nautischen Reiseführer "Türkische Küste" beschrieben, fällt der Grund steil ab und man sollte sich gut vergewissern, dass der Anker trägt. Mittlerweile haben wir Routine und nicht nur das Manöver sitzt auf Anhieb - auch der Anker hält.
Nördlich von uns sind lykische Felsgräber zu sehen, die hier in den Fels gehauen wurden. Sie sind jenen in Fethiye vergleichbar, allerdings "nur" drei und etwas kleiner. Dafür sind hier keine Touristenströme und die Abenteuerlust treibt einen Teil der Crew ins Dinghi, um auf den Strand überzusetzen, von dem die Expedition losgehen sollte. Nach einem Aufstieg von etwa 30 min waren wir oben und hatten zunächst einmal einen herrlichen Blick herunter auf die Quellenbucht, in der unsere kleine Segelyacht mit dem grünen Sonnensegel verträumt lag. Die amerikanische Motoryacht wirkte plötzlich viel größer. Die Felsengräber waren mittlerweile von Hasen bewohnt und zeigten an den Wänden Spuren offenen Feuers, offensichtlich eine Nutzung der Räume aus neuerer Zeit.
Rezept: Imam bayıldı ("Der Imam fiel in Ohnmacht", mit Gemüse gefüllte Auberginen)
4 Auberginen, Salz, 2 Zwiebeln, 2 Tomaten, 2 Peperoni, 1 Bund glatte Petersilie, 1 TL Zucker, 3 Knoblauchzehen, 6 EL Olivenöl
Auberginen nicht komplett, sondern im Abstand von ca. 3 cm längs schälen. An einer geschälten Stelle längs einschneiden. Anschließend ca. 30 min in Salzwasser legen. Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch und Peperoni würfeln, Petersilie hacken, alles vermischen und mit Salz und Zucker abschmecken. Aubergine an der Schnittstelle auseinanderziehen, aushöhlen und die Taschen mit der Gemüsemischung füllen (Kann ruhig oben rausgucken). Mit wenig Öl begießen. Die Auberginen im Topf bei starker Hitze ca. 10 min ankochen, danach bei mittlerer Hitze ca. 45 min garen.
Zum Abendessen bereiteten wir eine Abwandlung des berühmten "Imam bayıldı". Abwandlung deshalb, weil wir aus Frischegründen auf Hackfleisch verzichteten. Aber auch die vegetarische Variante fand großen Anklang.
Tagesdaten:
10.00 Göcek los
11.40 vor Anker auf 36° 42,1' N 028° 51,5' E in der "Quellenbucht"
Tageswege über Grund: 2,0 nm unter Segel, 6,0 nm unter Motor
Montag, 02.07.2001
"Quellenbucht" - Kapı
Heute hatten wir wieder einmal größere Dinge vorgenommen, nachdem gestern ein Tag des Faulenzens gewesen war. Die Stadt Fethiye lockte unser Interesse - nicht jedoch als Platz zum Übernachten. So verließen wir die Quellenbucht bereits um kurz nach 8 Uhr morgens und machten uns auf den Weg. Wind war noch nicht zu spüren und unser Motor schob uns nach Osten. Gegen Mittag waren wir in Fethiye angekommen und mussten tatsächlich vor Buganker und Achterleine festmachen; mittlerweile für uns kein Problem mehr, aber für einen Hafen dieser Größe fanden wir es etwas ungewöhnlich. Gegen eine geringe Gebühr konnten wir Strom für ein paar Stunden und frisches Wasser bekommen - und so machten wir uns auf den Landgang.
An einer Abzweigung zu einer kleinen Nebenstraße stand eine etwas ältere türkische Frau mit Fotos von Felsengräbern und nach einer kleinen Unterhaltung folgten wir ihr den Weg und den anschließenden Hang hinauf. Wir waren somit nicht bei den großen, von weitem sichtbaren Felsgräbern Fethiyes angekommen, sondern bei etwas kleineren Gräbern, die südlich davon in den Fels gehauen waren. Diese Gräber waren jedoch nicht minder eindrucksvoll. Im Gegenteil, wir hatten stets den wunderbaren Blick über die Stadt und auf die Felsfront der großen Hauptgräber. Natürlich war die kleine Sonderführung nicht ganz selbstlos und so einigten wir uns nach etwas Handeln auf ein Trinkgeld bzw. Salär für diese Tour.
Zurück in der Stadt fanden wir einen Markt, in dem wir frische Doraden für's Abendessen einkauften. Da wir ja ohnehin nicht in Fethiye bleiben wollten, konnten wir die Doraden in nahezu jeder Bucht ohne Belästigung anderer braten. Wir wählten als Tagesziel Kapı - einerseits, weil es als Ein- bzw. Ausgang zur Fethiye Körfezi günstig für den morgigen Schlag zurück nach Hause lag und weil diese Bucht laut Führer wirklich schön sein soll. Sogar ein Hummerbecken sei hier angelegt. Bis wir jedoch dort ankamen, hatten wir endlich mal wieder einen schönen Segelwind, den wir genüsslich auskosteten.
Endlich mal Wind - und Krängung.
Als wir in Kapı ankamen, staunten wir nicht schlecht, dass die Bucht schon so voll war. Nun ja, es war ja auch schon 18.00 Uhr und Kapı war auch nicht eine unbekannte Bucht. Außerdem überraschte uns die fast marinagleiche Infrastruktur mit hölzernen Stegen und Moorings. Alles wirkte selbstgemacht und diente offensichtlich dem Zweck, möglichst vielen Schiffen die Übernachtung in der Bucht zu ermöglichen. Kaum, dass wir fest waren, fragte man uns, wann wir im Restaurant am Ufer der Bucht zu essen gedenken. Wir verneinten unseren Restaurantbesuch, denn einerseits wussten wir, dass genau diese Art der Restaurants hoffnungslos überteuert sind und andererseits hatten wir unsere frischen Doraden aus Fethiye dabei. Mit etwas Murren nahm man's zur Kenntnis, denn eine rechtliche Handhabe hatte der Restaurantbetreiber nicht - sofern er überhaupt an dieser Stelle ein Restaurant betreiben durfte. Nicht wenige dieser Buchtenrestaurants sind illegal.
Rezept: Humus (Kichererbsencreme)
250 gr Kichererbsen, Saft von 3 Zitronen, 2 Knoblauchzehen, 140 gr Tahin (Sesampaste), Prise gem. Kreuzkümmel, Salz, 1 Bund glatte Petersilie, 1 TL (edelsüßes) Paprikapulver, 5 EL Olivenöl
Die Kichererbsen müssen über Nacht in reichlich kaltem Wasser einweichen; danach ca. 45 min kochen, wieder abkühlen. Erst dann können sie von Hand gepellt werden (Im Urlaub unter mediterraner Sonne macht man sowas doch gerne, oder?). Die Erbsen dann zerkleinern, mit Zitronensaft säuern und durch ein Sieb passieren. Sehr fein gehackten Knoblauch unter die Masse heben. Mit Tahin, Kreuzkümmel, Salz und Petersilie würzen. Wenn die Masse zu fest ist, mit etwas Wasser verdünnen. Zum Gericht wird Öl mit Paprikapulver gereicht. Und Brot. ;-)
Die Bucht selber ist sehr schön, wie wir bei einer Entdeckungsfahrt mit dem Dinghi feststellten und sogar das Hummerbecken samt Inhalt fanden wir; wenngleich nicht an der Stelle, die im Buch eingezeichnet war. Und unsere selbst zubereiteten Doraden waren mindestens so gut wie das Essen im Restaurant im Scheitel der Bucht. Dass die Preise dort wirklich überzogen waren, erfuhren wir noch von einer Nachbarcrew, die dort zu Gast war.
Tagesdaten:
08.10 "Quellenbucht" los
11.20 Fethiye fest
14.45 Fethiye los
18.00 vor Anker auf 36° 38,6' N 028° 53,6' E in der Kapı Bucht
Tageswege über Grund: 17,5 nm unter Segel, 18,5 nm unter Motor
Dienstag, 03.07.2001
Kapı - Baba Adası
Zurück nach Hause heißt von nun an das Motto, auch wenn erst Dienstag ist. Aber da wir uns ja keinen Stress machen wollten, ging es von nun an in Richtung Marmaris. Da uns Baba Adası so gut gefiel, wollten wir es diesmal wieder als Ankerplatz für die Nacht wählen. Dort angekommen, stellte sich das Manöver als nicht so einfach heraus, denn zwar hielt der Anker stets, aber ob wir auch ruhig und sicher bei dem doch recht starken Wind liegen würden, war nicht klar. Die Lösung fanden wir, als wir einen kleinen Kontrolltauchgang zum Anker durchführten. Dort fanden wir einen großen Betonblock, an dem zwei Festmacherleinen mit Bojen nach oben geführt wurden, damit daran die Sauseboote über Nacht festgemacht werden konnten, die tagsüber vom gegenüberliegenden Hotel genutzt werden. Wir scherten eine Bugleine durch den Ring direkt am Betonblock und lagen sicher vor Bug-Betonblock und Heck-Landleine. Die Sauseboote oben an der Festmacherboje störte das nicht.
Tagesdaten:
09.10 Kapı los
12.30 vor Anker nördlich von Baba Adası
Tageswege über Grund: 7,5 nm unter Segel, 14,0 nm unter Motor
Mittwoch, 04.07.2001
Baba Adası - Çiftlik Limanı
Heute war der lange Schlag von Baba Adası zurück in die Nähe der Bucht von Marmaris fällig. Allerdings wollten wir noch nicht zurück in die Bucht, denn dafür wäre es zu früh gewesen. Aus Törnberichten anderer und aus persönlichen Gesprächen mit Vereinskameraden der ⊳ Seglerkameradschaft Troisdorf e.V. wussten wir von der hervorragenden und günstigen Küche von "Mehmet", zu finden in der Çiftlik Limanı. Nun, so einfach zu finden war der gar nicht, denn sein Steg ist etwas unscheinbarer. So schauten wir uns erst einmal um, bevor wir Mehmet endlich gefunden hatten und verholten uns an seinen Steg.
"?Mehmet, :Place: Restorant." steht auf dem Schild an seinem Steg. Eigentlich doch ganz eindeutig, oder? Vom Steg aus sieht man nur die Strandbar - das Restaurant selbst liegt etwas im Hinterland.
Restauranttipp: Mehmet Restaurant, Çiftlik Limanı, ca. zweiter Steg von links (von See aus kommend)
Was auch immer Mehmet anbietet, ist empfehlenswert. Sinnvollerweise gibt es für eine Segelcrew immer ein Gemeinschaftsessen, das aus mindestens drei Gängen inkl. reichlich Rakı besteht. Wir hatten Seebrassen als Hauptgericht.
Tagesdaten:
07.00 Baba Adası los
13.30 Çiftlik Limanı fest
Tageswege über Grund: 12,5 nm unter Segel, 17,0 nm unter Motor
Donnerstag, 05.07.2001
Çiftlik Limanı - Marmaris
Der letzte "große" Segeltag stand bevor, denn heute abend wollten wir wieder in der Netsel Marina Marmaris sein; zwar einen Tag zu früh, was die termingenaue Rückgabe des Schiffes betraf, aber genau richtig, um noch einmal über den Wochenmarkt zu schlendern. Schließlich stand noch der Kauf einer Wasserpfeife aus, auf die Heike so versessen war. Doch dazu später mehr. Bevor wir jedoch in die Bucht von Marmaris einliefen, fiel uns etwas östlich der Durchfahrt auf, dass sich mehrere Ausflugsschiffe am Felsufer sammelten und nacheinander in eine dortige Höhle fuhren. Dies mussten wir natürlich erkunden.
Tatsächlich ... ein Loch im Fels. Nicht sehr tief in den Fels hineinragend, aber groß genug, dass die Ausflugsboote komplett hineinpassten. Wir hatten allerdings noch einen Masten an Oberdeck und mussten zur genaueren Erkundung das Dinghi klarieren. Als wir damit fertig waren, war auch der Stau vor dem Felsloch aufgelöst. Wir hatten ungehindert Einfahrt, fanden die ganze Sache unheimlich aufregend, auch wenn in der "Höhle" ein Geruchsmix von Diesel und Grillkohle hing. Der Weg in die Bucht von Marmaris war anschließend nur noch kurz und ereignislos. Da wir uns reichlich Zeit gelassen hatten, ankerten wir für einen langen Badestopp - natürlich vor dem Hotel Paşa Beach. Mit dem Dinghi setzten wir an Land über, um noch einmal Eis zu holen. Um 18.00 Uhr waren wir wieder fest im Heimathafen.
Tagesdaten:
10.00 Çiftlik Limanı los
13.00 "Höhle erforscht" auf 36° 47,5' N 028° 17,0' E
13.45 vor Anker auf 36° 50,1' N 028° 15,0' E in der Marmaris Bucht
18.00 Marmaris Netsel Marina fest
Tageswege über Grund: 10,5 nm unter Segel, 8,5 nm unter Motor
Freitag, 06.07.2001
Marmaris
Lange ausschlafen, frühstücken und anschließend noch mal die Stadt und natürlich den Markt erkunden. Die Wasserpfeife lockte und nicht nur sie, denn der Wochenmarkt von Marmaris hat noch weit mehr zu bieten als nur touristische Mitbringsel. Untergebracht in einem zeistöckigem Betonbau, der einer Bauruine sehr ähnlich ist, findet man im Untergeschoss frisches Gemüse und Obst aus der Region zu sehr günstigen Preisen. Im Obergeschoss logiert die Modebranche. Bevorzugt werden Jacken, Hosen und T-Shirts angeboten, aber man findet auch andere Bekleidungsartikel. Glaubt man den Beteuerungen der Verkäufern, ist natürlich alles original, selbst wenn die Verarbeitung nicht so perfekt geraten ist und die Ferrari-Jacke 10 EUR kosten soll. Schmuck, Teppiche, Sonnenbrillen, Schachspiele und schließlich die Wasserpfeife gibt's nicht hier, sondern im Altstadtkern von Marmaris, so sich ein Souvenirgeschäft ans nächste reicht. Mit viel Verhandlungsgeschick und dadurch wirklich sehr günstig erwarb Heike dort ihre lang ersehnte Wasserpfeife, die heute ihr Wohnzimmer ziert.
Tagesdaten:
16.00 Marmaris los und gleich vor Anker in der Marmaris Bucht
17.10 Marmaris Netsel Marina fest
Tageswege über Grund: 0,0 nm unter Segel, 2,0 nm unter Motor
Törndaten:
Gesamtstrecke über Grund: 234 nm
Gesamtstrecke über Grund: 91 nm unter Segel, 143 nm unter Motor
Tipps
Zur Vorbereitung auf den Törn haben folgende Bücher gute Dienste geleistet:
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Türkische Küste / Ostgriechische Inseln. von Andrea Horn, Wyn Hoop,
Delius Klasing Verlag Bielef. |
Türkei. Küsten aus der Luft. von Peter Kleinoth,
Delius Klasing Verlag Bielef. |
Türkische Küste / Vom Bosporus bis Antalya. von Gerd Radspieler,
Delius Klasing Verlag Bielef. |